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DIN 77200 — was das Zertifikat aussagt

Welche Teile es gibt, was der Geltungsbereich bedeutet und welcher Nachweis in Ausschreibungen zählt.

Stand: 28. August 2026 · Staffsec Solution GmbH, Neumünster

Die Norm hat Teile — und sie meinen Verschiedenes

DIN 77200 beschreibt Anforderungen an Sicherheitsdienstleistungen. Für Dienstleister sind zwei Teile maßgeblich: DIN 77200-1 in der Fassung von 2022 und DIN 77200-2 von 2020. Ein Unternehmen lässt sich nach diesen Teilen zertifizieren.

Der häufigste Fehler in Firmenangaben

In Signaturen und auf Websites liest man gelegentlich „Zertifizierter Fachbetrieb nach DIN 77200 – 3". Diese Angabe ist irreführend: Teil 3 richtet sich an die Zertifizierungsstelle, nicht an den Dienstleister. Ein Bewachungsunternehmen kann ihn nicht halten.

Wer in einer Eigenerklärung mehr behauptet, als das Zertifikat deckt, riskiert in einem Vergabeverfahren den Ausschluss. Es lohnt, die eigene Signatur einmal gegen das Zertifikat zu lesen.

Der Geltungsbereich entscheidet, nicht das Logo

Ein Zertifikat nennt einen Geltungsbereich und darin die geprüften Leistungsarten. Typisch abgedeckt sind stationäre Sicherheitsdienstleistungen, Alarm-, Kontroll- und Empfangsdienst, Objekte mit besonderer Sicherheitsrelevanz, mobile Sicherheitsdienstleistungen, Interventions- und Revierdienst sowie Veranstaltungssicherheit.

Ebenso wichtig ist, was nicht abgedeckt ist. Häufig ausgenommen sind Veranstaltungen mit besonderer Sicherheitsrelevanz, der öffentliche Personenverkehr sowie Flüchtlings- und Asyleinrichtungen. Wer diese Leistungen ausschreibt, sollte den Geltungsbereich im Zertifikat lesen, nicht nur die Normnummer.

Was in eine Ausschreibung gehört

  • die geforderten Teile der Norm ausdrücklich benennen, also 77200-1 und 77200-2
  • das Zertifikat im Original verlangen, samt Geltungsbereich und Gültigkeitsdatum
  • prüfen, ob die ausgeschriebene Leistungsart im Geltungsbereich steht
  • die Zertifizierungsstelle und die Zertifikatsnummer erfassen, damit sie nachprüfbar sind

Zertifikat und Qualitätsmanagement sind zweierlei

DIN EN ISO 9001 bescheinigt ein Qualitätsmanagementsystem, DIN 77200 die Sicherheitsdienstleistung selbst. Beide Nachweise ersetzen einander nicht. In Vergabeverfahren werden sie deshalb regelmäßig zusammen verlangt.

Häufige Fragen

Kann sich ein Sicherheitsdienst nach DIN 77200 Teil 3 zertifizieren lassen?

Nein. Teil 3 der Norm richtet sich an die Zertifizierungsstelle und beschreibt deren Verfahren. Für Dienstleister sind Teil 1 und Teil 2 maßgeblich. Eine Angabe „zertifiziert nach DIN 77200 – 3" ist sachlich falsch.

Welche Fassungen der Norm gelten?

Für Dienstleister sind DIN 77200-1 in der Fassung von 2022 und DIN 77200-2 von 2020 maßgeblich. Die häufig zitierte Jahreszahl 2017 ist überholt.

Warum steht im Zertifikat ein Geltungsbereich?

Weil nicht jede Sicherheitsdienstleistung geprüft wurde. Der Geltungsbereich nennt die zertifizierten Leistungsarten. Leistungen, die dort nicht stehen, sind vom Zertifikat nicht gedeckt — auch wenn das Unternehmen sie anbietet.

Ersetzt ISO 9001 die DIN 77200?

Nein. ISO 9001 bescheinigt ein Qualitätsmanagementsystem, DIN 77200 die Sicherheitsdienstleistung. In Ausschreibungen werden beide Nachweise regelmäßig nebeneinander verlangt.

Wie prüfe ich ein vorgelegtes Zertifikat?

Zertifikatsnummer, Zertifizierungsstelle, Gültigkeitsdatum und Geltungsbereich erfassen und mit der ausgeschriebenen Leistung abgleichen. Der Geltungsbereich ist dabei aussagekräftiger als die Normnummer auf dem Deckblatt.

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