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Wind- und Solarparks sichern:Schutz vor Diebstahl in Bau und Betrieb

Sie erfahren, warum Energieanlagen auf freier Fläche besonders gefährdet sind, welche Phase das größte Risiko trägt und wie sich Zaun, Technik und Sicherheitspersonal sinnvoll ergänzen.

Ratgeber · 6 Min. LesezeitVon Manuel Rutsch · Stand 6. Oktober 2026

Warum Energieparks ein attraktives Ziel sind

Wind- und Solarparks liegen meist weit draußen. Zwischen Ackerflächen in Dithmarschen, an der Westküste oder auf ehemaligen Militärflächen in Brandenburg ist nachts kaum jemand unterwegs. Die nächste Polizeistation ist oft viele Kilometer entfernt. Abgelegenheit, große Flächen und wertvolles Material machen solche Anlagen für organisierte Täter interessant.

Gestohlen wird vor allem, was sich schnell zu Geld machen lässt: Kupferkabel, Erdungsbänder, Wechselrichter, Solarmodule, Werkzeug und Kraftstoff. Oft ist der Schaden durch den Stillstand größer als der Wert der Beute. Fehlt ein Kabelstück, liefert ein ganzer Strang keinen Strom mehr, bis Ersatz beschafft und eingebaut ist.

Hinzu kommen Vandalismus, unbefugtes Betreten mit Unfallgefahr an spannungsführenden Teilen und in Einzelfällen gezielte Störungen. Größere Anlagen der Energieversorgung können außerdem unter die Regeln für kritische Infrastrukturen fallen, mehr dazu im Ratgeber zum physischen KRITIS-Schutz.

Die Bauphase: das größte Risiko

Während des Baus ist ein Park am verwundbarsten. Kabeltrommeln liegen offen auf dem Gelände, Module stehen palettenweise bereit, Baumaschinen und Container sind voll mit Werkzeug. Der Zaun ist noch nicht geschlossen, die Beleuchtung fehlt, und die Videotechnik ist häufig erst am Ende der Bauzeit in Betrieb.

Täter wissen das. Sie beobachten Baustellen, warten auf Liefertermine und schlagen gezielt kurz nach der Anlieferung zu. Für Bauherren und Generalunternehmer gilt deshalb: Die Sicherung muss mit dem ersten Material auf der Fläche beginnen, nicht erst mit der Inbetriebnahme.

Bewährt hat sich ein gestuftes Vorgehen, das mit dem Baufortschritt wächst:

  • Lieferungen möglichst so planen, dass Material zeitnah verbaut wird und nicht wochenlang lagert
  • Kabel und Module in einem abgeschlossenen, beleuchteten Lagerbereich sammeln
  • Kabeltrommeln nach dem Verlegen nicht mit Resten offen liegen lassen
  • Kontrollfahrten in der Nacht und am Wochenende zu wechselnden Zeiten
  • Bei hohen Werten einen Wachposten oder einen mobilen Videoturm mit Aufschaltung
  • Zugangswege für Baufahrzeuge nach Feierabend sperren

Im Betrieb: Schwachstellen kennen

Nach der Inbetriebnahme sinkt das Risiko, verschwindet aber nicht. Bei Solarparks sind die Module selbst und die Verkabelung zwischen den Reihen gefährdet, bei Windparks vor allem Umspannstationen, Erdungsanlagen und abgestellte Ersatzteile. Wartungsarbeiten öffnen kurzzeitig Tore und Schaltschränke und schaffen neue Gelegenheiten.

Ein häufiger Fehler ist, die Fernüberwachung als reine Ertragsüberwachung zu verstehen. Fällt ein Strang aus, sieht der Betreiber das zwar im Monitoring, aber erst Stunden später. Bis jemand vor Ort ist, sind die Täter längst weg. Sinnvoll ist eine klare Regel, welche Störmeldungen sofort eine Kontrolle vor Ort auslösen.

Zaun, Technik und Personal richtig kombinieren

Kein einzelnes Mittel schützt einen Park allein. Wirksam ist erst das Zusammenspiel aus Hindernis, Erkennung und Reaktion. Der Zaun verzögert, die Technik erkennt, und das Personal greift ein oder verständigt die Polizei. Fehlt einer der drei Teile, entstehen Lücken. Grundlagen dazu finden Sie im Ratgeber zum Perimeterschutz.

BausteinLeistetGrenzen
Zaun mit ÜbersteigschutzVerzögert Täter, markiert die GrenzeWird ohne Erkennung in Ruhe überwunden
Videoanalyse mit AufschaltungErkennt Bewegung am Zaun, Bildprüfung durch LeitstelleFehlalarme durch Wild oder Wetter, braucht Reaktion
BeleuchtungSchreckt ab, verbessert BildqualitätNachbarschaft und Naturschutz beachten
KontrollfahrtenPräsenz vor Ort, Sichtprüfung von Zaun und TorenNur zu bestimmten Zeiten anwesend
InterventionsdienstFährt bei Alarm raus, sichert, informiert PolizeiAnfahrtszeit hängt von Lage und Wetter ab

Ablauf bei einem Alarm

Für abgelegene Anlagen muss vorher feststehen, was bei einem Alarm passiert. Die Leitstelle prüft zuerst das Bild. Sind Personen zu erkennen, wird die Polizei verständigt und der Interventionsdienst losgeschickt. Die Einsatzkraft geht nicht allein gegen eine Gruppe vor, sondern beobachtet aus sicherer Entfernung, hält Kontakt zur Polizei und sichert danach Spuren und Schäden.

Wichtig ist eine aktuelle Objektmappe mit Zufahrten, Torcodes oder Schlüsseln, Ansprechpartnern des Betreibers und einer Übersicht der Anlage. Gerade bei großen Flächen mit mehreren Toren verliert man sonst wertvolle Minuten. Wie Alarmverfolgung im Detail abläuft, beschreibt der Ratgeber zur Alarmverfolgung.

Nach jedem Vorfall sollte ein kurzer Bericht mit Fotos und Uhrzeiten vorliegen. Er dient der Anzeige, der Versicherung und der Frage, ob die Sicherung angepasst werden muss.

Sicherheit des Personals auf freier Fläche

Kontrollfahrten durch einen dunklen Solarpark sind Alleinarbeit unter besonderen Bedingungen. Die DGUV Vorschrift 23 „Wach- und Sicherungsdienste“ verlangt, dass Gefährdungen beurteilt und geeignete Maßnahmen getroffen werden. Dazu gehören eine zuverlässige Verbindung zur Leitstelle, ein Personennotsignalgerät bei Bedarf, geeignete Beleuchtung und klare Regeln, welche Bereiche betreten werden dürfen.

Spannungsführende Teile, Trafostationen und Bereiche mit Absturzgefahr sind für Sicherheitskräfte tabu. Die Einweisung durch den Betreiber muss diese Grenzen eindeutig benennen. Mehr dazu im Ratgeber zu Alleinarbeit und Personennotsignal.

Checkliste für Betreiber und Bauherren

Vor dem Baustart und danach einmal im Jahr lohnt ein ehrlicher Abgleich mit diesen Fragen. Jedes Nein ist ein Hinweis auf eine Lücke, die Täter früher oder später finden.

  • Ist klar, wer in Bau und Betrieb für die Sicherung verantwortlich ist?
  • Gibt es einen abgeschlossenen Bereich für hochwertiges Material?
  • Sind Zaun, Tore und Beleuchtung vor dem Eintreffen der Module fertig?
  • Wird die Videotechnik auf eine Leitstelle mit Reaktion aufgeschaltet?
  • Liegt eine aktuelle Objektmappe mit Zufahrten und Ansprechpartnern vor?
  • Lösen bestimmte Störmeldungen automatisch eine Kontrolle vor Ort aus?
  • Sind Kontrollzeiten unregelmäßig und werden sie dokumentiert?
  • Wurde die Versicherung über die vorgesehene Sicherung informiert?

Fazit

Energieparks lassen sich nicht wie ein Bürogebäude bewachen. Wer Bauphase und Betrieb getrennt betrachtet, Material kurz lagert und Technik mit einer echten Reaktion verbindet, nimmt Tätern die meisten Gelegenheiten.

Staffsec sichert Baustellen und Anlagen in Schleswig-Holstein, Hamburg und Berlin mit Kontrollfahrten, Bewachung und Interventionsdienst. Sprechen Sie uns gern schon in der Planungsphase an.

Häufige Fragen

Häufige Fragen kurz beantwortet

Wann sollte die Sicherung eines Solarparks beginnen?+

Mit dem ersten Material auf der Fläche. Die meisten Diebstähle passieren in der Bauphase, wenn Kabel und Module offen lagern und Zaun sowie Technik noch fehlen. Eine spätere Nachrüstung kommt für diese Phase zu spät.

Reicht eine Videoüberwachung ohne Personal?+

Nur bedingt. Eine Kamera erkennt Bewegung, verhindert aber keinen Diebstahl, wenn niemand reagiert. Wirksam wird sie mit Aufschaltung auf eine Leitstelle, die Bilder prüft und Polizei sowie Interventionsdienst verständigt.

Dürfen Sicherheitskräfte Täter im Park festhalten?+

Jeder darf Personen, die auf frischer Tat betroffen werden, nach § 127 StPO vorläufig festnehmen. Bei Gruppen oder unklarer Lage hat die eigene Sicherheit Vorrang. Dann wird beobachtet, die Polizei geführt und die Beweise werden gesichert.

Wie oft sollte ein Windpark kontrolliert werden?+

Das hängt von Vorfällen in der Region, dem Baufortschritt und der vorhandenen Technik ab. In ruhigen Betriebsphasen genügen oft wenige Kontrollen, nach Vorfällen oder bei offen lagerndem Material deutlich mehr. Wichtig ist, dass die Zeiten nicht vorhersehbar sind.

Was gehört in die Objektmappe eines Energieparks?+

Ein Lageplan mit Zufahrten und Toren, Schließmittel oder Codes, Ansprechpartner des Betreibers und des Netzbetreibers, Gefahrenbereiche und das Vorgehen bei Alarm. Die Mappe muss bei jeder Änderung aktualisiert werden.

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