Die Rolle im Unterschied zum Ersthelfer
Ein Betriebssanitäter ist eine Kraft mit sanitätsdienstlicher Ausbildung, die in einem Betrieb, auf einer Baustelle oder bei einer Veranstaltung die Erstversorgung sicherstellt, bis der Rettungsdienst übernimmt. Er geht deutlich über den Ersthelfer hinaus: Während Ersthelfer lebensrettende Sofortmaßnahmen beherrschen, kann der Betriebssanitäter Verletzte strukturiert untersuchen, Vitalwerte beobachten, Wunden und Frakturen versorgen und den Rettungsdienst gezielt einweisen.
Er arbeitet nicht als Ersatz für den Rettungsdienst, sondern als Brücke: Die ersten Minuten nach einem Unfall sind oft entscheidend, und auf großen Geländen kann es dauern, bis ein Rettungswagen den Verletzten überhaupt erreicht.
Wann er vorgeschrieben ist
Die Pflicht ergibt sich aus der Unfallverhütungsvorschrift DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention“. Danach muss der Unternehmer mindestens einen Betriebssanitäter bereitstellen, wenn
- in einer Betriebsstätte mehr als 1.500 Versicherte anwesend sind,
- in einer Betriebsstätte mehr als 250 Versicherte anwesend sind und Art, Schwere und Zahl der Unfälle einen Sanitätsdienst erfordern,
- auf einer Baustelle mehr als 100 Versicherte anwesend sind.
Für Baustellen ist ein Punkt wichtig: Vergibt ein Unternehmer Arbeiten an andere Firmen, zählen alle gleichzeitig Beschäftigten zusammen. Auf einer Großbaustelle mit vielen Nachunternehmern wird die Schwelle deshalb schneller erreicht, als es die eigene Belegschaft vermuten lässt. Für Veranstaltungen richtet sich der Sanitätsdienst nicht nach dieser Vorschrift, sondern nach Besucherzahl, Art der Veranstaltung und den Auflagen der Genehmigungsbehörde.
Ausbildung und Ausstattung
Die Ausbildung erfolgt bei von der Unfallversicherung anerkannten Stellen in einem Grund- und einem Aufbaulehrgang und muss in regelmäßigen Abständen durch Fortbildung aufgefrischt werden. Zur Ausstattung gehören je nach Betrieb ein Sanitätsraum, Verbandmaterial, Notfallrucksack, oft ein automatisierter externer Defibrillator, sowie ein Meldeweg, über den der Sanitäter jederzeit erreichbar ist.
Jede Hilfeleistung wird dokumentiert, etwa im Verbandbuch oder einem gleichwertigen Meldeblock. Das ist nicht nur Formalie: Die Dokumentation ist später wichtig, wenn aus einer kleinen Verletzung ein Arbeitsunfall mit Folgen wird.
Einbindung auf der Baustelle
Auf Großbaustellen ist der Sanitätsdienst zugleich Teil der Baulogistik. Er kennt die Zufahrten, die Lage der Treppenhäuser und Kräne und die Ansprechpartner der Gewerke. Bewährt hat sich, den Sanitätsraum in der Nähe der Torkontrolle einzurichten: Das Torpersonal kann den Rettungswagen sofort zum richtigen Bauteil lotsen, statt ihn erst suchen zu lassen. In den Alarmplan gehört, wer den Notruf absetzt und wer den Rettungsdienst an der Zufahrt erwartet.

