Heiße Tage, volle Becken
An den ersten richtig warmen Wochenenden ist es überall gleich: lange Schlangen an der Kasse, überfüllte Liegewiesen, Gruppen, die sich um den Sprungturm drängen. Die meisten Gäste wollen einfach einen schönen Tag. Einige wenige sorgen aber dafür, dass Personal und Badegäste gestresst sind, etwa durch Drängeln, Pöbeleien, Alkohol oder das Übersteigen von Zäunen nach Feierabend.
Viele kommunale Bäder und private Betreiber in Schleswig-Holstein, Hamburg und Berlin setzen deshalb in der Saison zusätzlich einen Ordnungsdienst ein. Er entlastet das Bäderpersonal und sorgt dafür, dass die Haus- und Badeordnung eingehalten wird.
Badeaufsicht und Ordnungsdienst sind zwei Aufgaben
Ein häufiges Missverständnis: Der Sicherheitsdienst übernimmt nicht die Wasseraufsicht. Die Aufsicht über das Badegeschehen bleibt bei Fachangestellten für Bäderbetriebe oder Rettungsschwimmern mit den dafür nötigen Nachweisen. Der Ordnungsdienst kümmert sich um alles andere rund um das Becken und das Gelände.
| Aufgabe | Badeaufsicht | Ordnungsdienst |
|---|---|---|
| Beobachtung im Wasser, Rettung | Ja | Nein, nur Alarmierung |
| Einlass, Taschenkontrolle auf freiwilliger Basis | Nein | Ja |
| Durchsetzen der Haus- und Badeordnung | Unterstützend | Ja, im Auftrag des Betreibers |
| Hausverbote aussprechen | Nach Regelung des Betreibers | Ja, im Namen des Betreibers |
| Kontrolle des Geländes nach Schließung | Nein | Ja |
Die Abgrenzung gehört schriftlich in die Dienstanweisung. So weiß jede Seite, wer bei einem Badeunfall, einer Schlägerei oder einem verlorenen Kind welche Rolle hat.
Rechtliche Grundlagen
Der Ordnungsdienst handelt im Rahmen des Hausrechts, das ihm der Betreiber überträgt. Er kann Gäste ansprechen, auf die Badeordnung hinweisen, Hausverbote aussprechen und im Notfall die Polizei rufen. Weitergehende Befugnisse hat er nicht.
Weil ein Freibad ein Bereich mit tatsächlich öffentlichem Verkehr ist, brauchen Einsatzkräfte für Kontrollgänge dort nach § 34a GewO die Sachkundeprüfung, nicht nur die Unterrichtung. Darauf sollten Betreiber bei der Vergabe achten. Bei Kindern und Jugendlichen gilt außerdem besonderes Fingerspitzengefühl: Eltern werden informiert, junge Gäste werden nicht vor allen anderen bloßgestellt.
Saisonplanung: die wichtigsten Punkte
Ein Freibad ist ein Saisongeschäft mit stark schwankender Auslastung. Ein Ordnungsdienst lohnt sich, wenn er flexibel geplant wird:
- Spitzentage vorab festlegen: Wochenenden, Ferienbeginn, Hitzewarnungen. Für kurzfristige Einsätze bei Wetterwechsel eine Abrufregel vereinbaren.
- Einsatzbereiche benennen: Kasse und Drehkreuz, Sprungturm, Rutsche, Liegewiese, Parkplatz, Fahrradständer.
- Meldewege klären: Funk oder Telefon zur Badeaufsicht, Erreichbarkeit der Betriebsleitung, Notruf.
- Badeordnung aushängen und abstimmen: Nur was dort steht, kann der Ordnungsdienst gut begründen.
- Nachtsicherung einplanen: Das Gelände nach Schließung kontrollieren, denn nächtliches Baden ist gefährlich und kann zu Vandalismus führen.
- Badesee und offene Badestellen: Hier fehlt oft ein Zaun. Präsenz an Zugängen und Parkplätzen sowie eine Absprache mit Ordnungsamt und Polizei sind dann besonders wichtig.
Drei Situationen aus dem Badealltag
Gruppe am Sprungturm: Jugendliche springen trotz gesperrter Plattform oder drängeln auf der Leiter. Der Ordnungsdienst spricht die Gruppe gemeinsam mit der Badeaufsicht an, erklärt die Gefahr und lässt den Turm notfalls kurz räumen. Ein Hausverbot ist erst der letzte Schritt.
Streit auf der Liegewiese: Zwei Familien geraten wegen Lautstärke oder Platz aneinander. Hier hilft es, beide Seiten getrennt anzuhören und einen Ausweichplatz anzubieten. Wer eskaliert, wird des Bades verwiesen, die Polizei kommt nur bei Gewalt oder Bedrohung hinzu.
Übersteiger nach Feierabend: An warmen Abenden klettern immer wieder Gruppen über den Zaun. Eine Revierkontrolle in den späten Stunden schreckt ab. Werden Personen angetroffen, fordert die Einsatzkraft sie zum Verlassen auf und informiert den Betreiber. Wer sich im Wasser in Gefahr bringt, hat Vorrang vor jeder Diskussion über Hausfriedensbruch.
Präsenz wirkt, wenn sie freundlich ist
Im Bad zählt vor allem eines: Gäste sollen sich sicher und willkommen fühlen. Ein Ordnungsdienst, der grüßt, Fragen beantwortet und bei Streit ruhig dazwischengeht, beugt den meisten Problemen vor. Mehr dazu lesen Sie im Beitrag Deeskalation im Alltag.
Staffsec unterstützt Betreiber von Bädern, Badestellen und Freizeitanlagen mit Ordnungs- und Veranstaltungsdiensten sowie mit Revierkontrollen nach Feierabend.


