Warum der Winter für Baustellen eine eigene Jahreszeit ist
Zwischen November und März ändert sich auf vielen Baustellen der Rhythmus. Es wird um halb fünf dunkel, Frost legt einzelne Gewerke still, und rund um Weihnachten und den Jahreswechsel ruht die Arbeit oft für zwei bis drei Wochen ganz. Für Täter ist das eine günstige Kombination: lange Nächte, wenig Betrieb und Anwohner, die bei Schmuddelwetter nicht aus dem Fenster schauen.
Gleichzeitig kommen Gefahren hinzu, die mit Diebstahl nichts zu tun haben. Frost, Sturm, Schnee und Glätte können auf einer verlassenen Baustelle Schäden anrichten, die erst nach Tagen auffallen. Ein geplatzter Wasseranschluss im Rohbau oder eine umgewehte Bauzaunreihe an der Straße ist dann schnell teurer als jeder Werkzeugdiebstahl.
Die typischen Winterrisiken im Überblick
Die folgende Übersicht hilft, die eigene Baustelle einzuordnen. Nicht jede Gefahr trifft jede Baustelle, aber die meisten Bauleitungen finden sich in mindestens drei Zeilen wieder.
| Risiko | Woran es sich zeigt | Was vorbeugt |
|---|---|---|
| Frostschäden | Geplatzte Leitungen, gefrorene Bauwasseranschlüsse, Schäden an frischem Estrich oder Putz | Leitungen entleeren oder beheizen, Temperaturkontrolle bei Kontrollgängen |
| Sturm | Umgefallene Bauzaunfelder, lose Planen, Folien und Dämmplatten, schwingende Gerüstnetze | Zaunfüße beschweren, lose Teile sichern, Kontrolle nach jeder Sturmwarnung |
| Schnee und Glätte | Unfälle auf Gehwegen und Zufahrten, Schneelast auf Containern und Notdächern | Räum- und Streuregelung schriftlich festlegen, Dächer beobachten |
| Brand | Bautrockner, Heizgeräte, Gasflaschen, Feuerwerk an Silvester | Geräte abschalten oder überwachen, Brennbares wegräumen, Kontrollen in der Silvesternacht |
| Diebstahl und Einbruch | Aufgebrochene Container, fehlende Kabel, abgezapfter Kraftstoff | Wertvolles abtransportieren, Container verriegeln, Bewachung über die Feiertage |
| Vandalismus | Eingeschlagene Fenster, Graffiti, beschädigte Technik | Beleuchtung, sichtbare Kontrollen, schnelles Beseitigen erster Schäden |
Die Winterpause vorbereiten: was vor dem letzten Arbeitstag erledigt sein sollte
Die wichtigste Arbeit fällt in den Tagen vor der Pause. Was dann nicht aufgeräumt, abgeschlossen oder abgeholt ist, steht drei Wochen lang auf dem Präsentierteller. Bewährt hat sich ein Übergabetermin am letzten Arbeitstag, bei dem Bauleitung und Sicherheitsdienst die Baustelle gemeinsam ablaufen und den Zustand mit Fotos festhalten.
- Mietgeräte und Kleinmaschinen, die nicht gebraucht werden, vor der Pause zurückgeben oder in verschließbare Container bringen
- Kabeltrommeln, Kupfer und Haustechnik nicht offen lagern, sondern einbauen, abtransportieren oder gesichert einschließen
- Kraftstofftanks von Maschinen möglichst leer fahren, Tankdeckel abschließen
- Bauwasser abstellen, Leitungen im Rohbau entleeren, Frostschutz für fest installierte Anschlüsse prüfen
- Bautrockner und Heizgeräte nur laufen lassen, wenn jemand die Geräte regelmäßig kontrolliert
- Gasflaschen aus Gebäuden entfernen und vorschriftsmäßig im Freien lagern
- Bauzaun vollständig schließen, Zaunfüße beschweren, Tore mit massiven Schlössern sichern
- Fenster- und Türöffnungen im Rohbau verschließen, soweit es der Bauablauf zulässt
- Notfallnummern der Bauleitung und der wichtigsten Gewerke für die Feiertage aktualisieren
Diese Liste ersetzt keine Absprache mit dem Versicherer. Manche Bauleistungs- oder Maschinenversicherungen knüpfen den Schutz an bestimmte Sicherungen. Ein kurzer Blick in die Bedingungen vor der Pause erspart Diskussionen im Schadenfall.
Bewachung über die Feiertage: wie viel ist sinnvoll?
Ob ein Festposten, mehrere Kontrollfahrten pro Nacht oder Technik mit Aufschaltung passt, hängt von Wert, Lage und Bauphase ab. Grundsätzlich gilt: In der Winterpause gibt es keine regulären Arbeitszeiten, die eine Lücke schließen. Die Baustelle ist rund um die Uhr leer, auch tagsüber.
Bei einem Rohbau in einem Gewerbegebiet am Rand von Neumünster können wenige Kontrollfahrten in Nacht und Tag ausreichen, wenn der Zaun dicht ist und kaum Material vor Ort liegt. Eine Wohnanlage im Ausbau mitten in Hamburg oder Berlin, bei der Kabel und Sanitärobjekte bereits angeliefert sind, braucht dagegen oft durchgehende Präsenz. Ein Revier- und Interventionsdienst lässt sich mit Videoüberwachung kombinieren, sodass bei einer Meldung jemand vor Ort ist.
Wichtig ist, die Kontrollen im Winter breiter zu fassen als im Sommer. Wer ohnehin auf der Baustelle ist, sollte nicht nur Zaun und Container prüfen, sondern auch Temperatur, Wasseranschlüsse, Heizgeräte und Sturmschäden. Das gehört in die Dienstanweisung, sonst wird es nicht gemacht. Wie eine solche Anweisung aufgebaut ist, zeigt der Beitrag zur Dienstanweisung.
Sturm und Unwetter: der Kontrollgang danach
In Schleswig-Holstein sind Herbst- und Winterstürme keine Ausnahme. Für eine Baustelle bedeutet das: Bauzaunfelder kippen auf Gehwege, Planen reißen, Dämmplatten fliegen auf Nachbargrundstücke. Weil die Verkehrssicherungspflicht auch in der Winterpause bestehen bleibt, sollte geregelt sein, wer nach einer Sturmwarnung oder einem Unwetter die Baustelle abläuft und was bei Schäden passiert.
Bewährt hat sich ein einfacher Ablauf: Kontrolle möglichst bald nach dem Unwetter, Fotos von allen Schäden, sofortige Sicherung von Gefahrenstellen mit vorhandenem Material und Meldung an die Bauleitung oder den Bereitschaftsdienst der Gewerke. Liegen Zaunfelder im öffentlichen Verkehrsraum, hat die Beseitigung Vorrang vor allem anderen.
Wo die Baustelle an eine Straße grenzt und Absperrungen oder Beschilderung betroffen sind, sind zusätzlich die Anforderungen der Verkehrssicherung zu beachten. Hinweise dazu finden Sie im Beitrag Verkehrssicherung und Kontrollfahrten.
Brandgefahr in der kalten Jahreszeit
Im Winter laufen auf Baustellen mehr Wärmequellen als sonst: Bautrockner, Gasheizer, Heizlüfter in Unterkunftscontainern. Dazu kommen frühe Dunkelheit, Baustoffe mit Verpackungsfolie und in der Silvesternacht Feuerwerkskörper, die auf Gerüsten oder Dämmmaterial landen.
Ein paar Grundsätze senken das Risiko deutlich: Brennbares nicht an Gebäudewänden und unter Gerüsten lagern, Abfallcontainer regelmäßig leeren, Heizgeräte nur mit Aufsicht betreiben und Feuerlöscher an bekannten Stellen bereithalten. In der Silvesternacht ist eine Bewachung oder mindestens eine zusätzliche Kontrolle nach Mitternacht sinnvoll. Wenn vor der Pause noch Heißarbeiten wie Schweißen oder Abdichten anfallen, gehört eine anschließende Nachkontrolle dazu; mehr dazu bei den Brandwachen.
Typische Fehler vor und während der Winterpause
Die meisten Schäden über die Feiertage haben eine Ursache, die sich im Nachhinein leicht benennen lässt. Diese Fehler begegnen in der Praxis immer wieder:
- Die Bewachung wird erst kurz vor Weihnachten angefragt, wenn kaum noch Personal verfügbar ist
- Niemand ist für die Baustelle erreichbar, weil alle Ansprechpartner gleichzeitig im Urlaub sind
- Material wird kurz vor der Pause noch angeliefert, aber nicht mehr eingebaut
- Der Schlüssel für ein Container- oder Torschloss liegt nur bei einem Polier, der verreist ist
- Bauwasser bleibt angestellt, weil nicht klar ist, wer abstellen darf
- Nach der Pause fehlt ein Fotozustand vom letzten Arbeitstag, sodass sich Schäden zeitlich nicht zuordnen lassen
Planen Sie die Winterpause deshalb wie einen eigenen Bauabschnitt mit Beginn, Ende, Verantwortlichen und Zuständen. Staffsec unterstützt Bauherren und Bauunternehmen in Schleswig-Holstein, Hamburg und Berlin bei der Baustellenbewachung und dokumentiert jede Kontrolle digital mit Zeitstempel und Fotos.


