Bewachung ist keine Garantie gegen jeden Schaden
Nach einem Einbruch auf einer bewachten Baustelle fragen Auftraggeber zuerst: Haftet jetzt der Wachdienst? Die ehrliche Antwort lautet: nicht automatisch. Ein Bewachungsvertrag ist in aller Regel ein Dienstvertrag. Geschuldet ist die sorgfältige Ausführung der vereinbarten Leistung – also Kontrollgänge, Präsenz, Alarmverfolgung –, nicht der Erfolg, dass nie etwas passiert.
Ein Sicherheitsdienst haftet deshalb dann, wenn er oder seine Kräfte Pflichten verletzt haben und gerade dadurch ein Schaden entstanden ist. War die Leistung vertragsgemäß und ist der Täter trotzdem eingedrungen, bleibt der Schaden in der Regel beim Eigentümer oder dessen Sachversicherung. Genau deshalb ist eine klare Leistungsbeschreibung so wichtig: Nur was vereinbart ist, kann auch verletzt werden.
Die rechtlichen Grundlagen im Überblick
Für die Haftung kommen vor allem zwei Wege in Betracht, die sich im Alltag oft überschneiden.
| Grundlage | Worum es geht | Typisches Beispiel |
|---|---|---|
| Vertragliche Haftung (§ 280 BGB) | Verletzung einer Pflicht aus dem Bewachungsvertrag | Vereinbarter Kontrollgang fand nicht statt, ein offenes Tor blieb unbemerkt |
| Haftung für Erfüllungsgehilfen (§ 278 BGB) | Das Unternehmen steht für Fehler seiner eingesetzten Kräfte ein wie für eigene | Wachmann vergisst, nach dem Rundgang die Halle wieder zu verschließen |
| Deliktische Haftung (§ 823 BGB) | Verletzung von Eigentum, Körper oder Gesundheit, unabhängig vom Vertrag | Sicherheitskraft beschädigt beim Rangieren ein Fahrzeug auf dem Gelände |
| Haftung für Verrichtungsgehilfen (§ 831 BGB) | Unternehmen haftet, kann sich aber bei sorgfältiger Auswahl und Überwachung entlasten | Schaden an einem Dritten, der keinen Vertrag mit dem Wachdienst hat |
Typische Haftungsfälle aus der Praxis
Die meisten Streitfälle drehen sich nicht um spektakuläre Ereignisse, sondern um Alltägliches. Aus unserer Erfahrung in Schleswig-Holstein, Hamburg und Berlin lassen sich wiederkehrende Muster erkennen:
- Verlorene oder falsch verwahrte Schlüssel: Der Austausch einer Schließanlage kann teuer werden. Wer Schlüssel übergibt, sollte die Schlüsselverwaltung genau regeln.
- Nicht verfolgter Alarm: Die Leitstelle meldet, die Intervention erfolgt verspätet oder gar nicht – hier zählt, was zur Reaktionszeit vereinbart war.
- Ausgelassene Kontrollgänge: Lücken im Rundgangsprotokoll lassen sich nach einem Einbruch kaum erklären.
- Sachschäden im Dienst: beschädigte Türen beim Aufschließen, Kratzer am Fahrzeug, umgestoßene Ware.
- Übergriffe: unverhältnismäßige Gewalt bei einem Hausverbot oder einer Festnahme, mit Schadensersatz- und Schmerzensgeldforderungen.
Haftpflichtversicherung: Pflicht nach der Bewachungsverordnung
Wer gewerblich bewacht, muss nach der Bewachungsverordnung eine Haftpflichtversicherung mit gesetzlich vorgeschriebenen Mindestsummen für Personen-, Sach- und Vermögensschäden unterhalten. Zusätzlich sind Schäden durch das Abhandenkommen bewachter Sachen und von Schlüsseln abzusichern. Diese Pflicht ist Voraussetzung für die Erlaubnis nach § 34a GewO; die zuständige Behörde kann den Nachweis verlangen.
Für Sie als Auftraggeber reicht die gesetzliche Mindestdeckung nicht immer aus. Bei hohen Sachwerten, etwa in Logistikzentren, auf Großbaustellen oder bei kritischer Infrastruktur, lohnt der Blick auf die tatsächlichen Deckungssummen. Lassen Sie sich die aktuelle Versicherungsbestätigung vorlegen und prüfen Sie, ob Schlüsselverlust, Obhutsschäden und Vermögensschäden eingeschlossen sind. Mehr zum Begriff im Glossar unter Haftpflichtversicherung.
Haftungsklauseln im Vertrag
Viele Bewachungsverträge enthalten Haftungsbegrenzungen, häufig über Allgemeine Geschäftsbedingungen. Das ist grundsätzlich zulässig, hat aber Grenzen. Für Schäden an Leben, Körper und Gesundheit sowie für grob fahrlässig oder vorsätzlich verursachte Schäden kann die Haftung in AGB nicht wirksam ausgeschlossen oder begrenzt werden. Das ergibt sich aus § 309 Nr. 7 BGB, und die Rechtsprechung überträgt diesen Gedanken weitgehend auch auf Verträge zwischen Unternehmen.
Prüfen Sie vor der Unterschrift insbesondere: Wie hoch ist eine Haftungsgrenze im Verhältnis zu den Werten im Objekt? Gibt es Ausschlussfristen für die Meldung von Schäden? Wer trägt Schäden durch Subunternehmer? Und passt die Klausel zur Versicherung des Dienstleisters? Eine Übersicht zu weiteren Vertragspunkten finden Sie im Ratgeber Sicherheitsdienst-Vertrag: Inhalte.
Beweisfragen: warum die Dokumentation entscheidet
Wer Schadensersatz verlangt, muss in der Regel die Pflichtverletzung, den Schaden und den Zusammenhang zwischen beiden darlegen. Für den Dienstleister wiederum ist die eigene Dokumentation das beste Mittel, um eine sorgfältige Leistung zu belegen. In Haftungsfragen sind lückenlose Berichte mit Zeitstempel deshalb für beide Seiten wertvoll.
Ein Beispiel: Nach einem Diebstahl von Kabeltrommeln auf einer Baustelle im Hamburger Umland zeigt das digitale Kontrollprotokoll, dass der letzte Rundgang um 2:40 Uhr ohne Befund war und um 3:55 Uhr ein aufgeschnittener Bauzaun festgestellt und sofort gemeldet wurde. Damit ist das Zeitfenster eingegrenzt, die Polizei hat einen Ansatz, und die Frage nach einer Pflichtverletzung lässt sich sachlich klären. Wie ein guter Bericht aussieht, beschreibt der Ratgeber Digitale Kontrollberichte.
Mitverschulden des Auftraggebers
Nicht selten tragen beide Seiten einen Teil der Verantwortung. Nach § 254 BGB mindert ein Mitverschulden des Geschädigten den Anspruch. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn bekannte Mängel am Bauzaun über Wochen nicht behoben wurden, wenn eine Einbruchmeldeanlage dauerhaft Fehlalarme produzierte und deshalb abgeschaltet war oder wenn wertvolle Ware entgegen der Absprache ungesichert im Freien lag.
Für Auftraggeber heißt das: Melden Sie Änderungen am Objekt, neue Werte, Bauphasen oder technische Ausfälle zeitnah an den Dienstleister. Gute Sicherheitsdienste melden umgekehrt Mängel, die ihnen auffallen, schriftlich weiter. So wird aus einer möglichen Schuldfrage eine gemeinsame Gefahrenabwehr.
Checkliste: Haftung vor Vertragsbeginn klären
Staffsec ist nach § 34a GewO zugelassen, hält die nach der Bewachungsverordnung vorgeschriebene Haftpflichtversicherung vor und dokumentiert Kontrollgänge digital mit Zeitstempel und Fotos – Unterlagen, die im Ernstfall für Klarheit sorgen.
- Leistungsbeschreibung konkret: Anzahl und Zeiten der Kontrollgänge, Interventionszeiten, Aufgaben bei Alarm.
- Versicherungsnachweis mit Deckungssummen, Schlüsselverlust und Obhutsschäden.
- Haftungsklauseln lesen und mit den Werten im Objekt abgleichen.
- Regelung zum Einsatz von Subunternehmern und deren Versicherung.
- Form und Frist für Schadensmeldungen festlegen.
- Dokumentationsstandard vereinbaren: Was wird wann, wie und wie lange festgehalten?
- Ansprechpartner auf beiden Seiten für Vorfälle benennen.


