Warum ohne Begehung kein seriöses Angebot entsteht
Ein Angebot für Bewachung, das allein auf einer E-Mail mit Adresse und gewünschten Stunden beruht, ist eine Schätzung. Erst vor Ort zeigt sich, ob ein Gelände von einem Posten überblickt werden kann, wie lang ein Kontrollgang wirklich dauert, wo Licht fehlt und welche Zugänge niemand auf dem Plan hat. Die Objektbegehung ist die Grundlage jedes Sicherheitskonzepts.
Für den Auftraggeber hat die Begehung einen zweiten Nutzen: Er lernt sein eigenes Objekt mit anderen Augen kennen. Häufig fallen Punkte auf, die sich ohne Personal lösen lassen, etwa eine defekte Außenbeleuchtung, ein offener Zaun oder ein Schlüsselkasten ohne Schloss.
Vorbereitung: diese Unterlagen helfen
Eine Begehung dauert je nach Objekt von einer knappen Stunde bis zu einem halben Tag. Sie wird deutlich ergiebiger, wenn einige Informationen vorab vorliegen:
- Lageplan oder Grundrisse mit Zufahrten, Toren und Gebäudezugängen
- Betriebs- und Öffnungszeiten, Schichtwechsel, Anlieferzeiten
- Übersicht der vorhandenen Technik: Einbruch- und Brandmeldeanlage, Video, Zutrittskontrolle, Beleuchtung
- Vorfälle der letzten Zeit wie Einbrüche, Vandalismus, Hausfriedensbruch oder Fehlalarme
- Bestehende Alarmpläne, Brandschutzordnung und Flucht- und Rettungspläne
- Ein Ansprechpartner aus der Haustechnik, der Schlüssel hat und Anlagen erklären kann
Der Rundgang: von außen nach innen
Bewährt hat sich ein Rundgang in Schalen, so wie ein Täter das Objekt erleben würde. Zuerst die Umgebung: Wie ist die Lage, wer hat Einblick, wo kann man unbemerkt parken? Dann die Grundstücksgrenze mit Zaun, Toren und Bewuchs. Danach die Gebäudehülle mit Türen, Fenstern, Rolltoren, Dachzugängen und Lichtschächten. Zuletzt das Innere mit sensiblen Räumen, Lagern und Technikzentralen.
Wer eine Begehung bei Tageslicht macht, sollte nach Möglichkeit eine kurze Nachbesichtigung bei Dunkelheit einplanen. Auf einem Gewerbegrundstück im Hamburger Hafengebiet oder auf einer Baustelle im Berliner Umland sieht nachts vieles anders aus: Schattenzonen, blendende Strahler, unbeleuchtete Wege zum Parkplatz.
| Schale | Worauf geachtet wird |
|---|---|
| Umfeld | Anfahrtswege, Nachbarschaft, Sichtachsen, Treffpunkte, Erreichbarkeit für Polizei und Feuerwehr |
| Grenze | Zaunhöhe und Zustand, Tore, Übersteighilfen, Bewuchs, Beleuchtung |
| Hülle | Zugänge, Verschlusszustand, Fluchttüren, Fenster im Erdgeschoss, Dach |
| Innen | Wertvolle Bereiche, Serverräume, Lager, Schlüsselaufbewahrung, Arbeitsplatz der Sicherheitskraft |
Gespräch mit Nutzern und Haustechnik
Ein Rundgang zeigt die Bausubstanz, ein Gespräch zeigt die Abläufe. Fragen Sie Empfang, Lagerleitung und Reinigungskräfte, was ihnen auffällt. Oft wissen sie, an welcher Tür ständig Zigaretten geraucht werden und welche deshalb offen steht, oder zu welcher Uhrzeit Lieferanten unangemeldet aufs Gelände fahren.
Auch die Arbeitsbedingungen der künftigen Sicherheitskräfte gehören zur Begehung. Gibt es einen beheizten Aufenthaltsraum, eine Toilette, einen Stromanschluss? Bei Alleinarbeit verlangt der Arbeitsschutz eine Gefährdungsbeurteilung und oft ein Personennotsignalgerät, wie im Ratgeber Alleinarbeit und Personennotsignal beschrieben.
Vom Befund zum Konzept
Nach der Begehung werden die Beobachtungen bewertet: Welche Risiken sind wahrscheinlich, welche hätten große Folgen? Daraus ergibt sich, welche Maßnahmen sinnvoll sind. Nicht jedes Risiko braucht einen Menschen vor Ort. Häufig ist eine Kombination die wirtschaftlichste Lösung, etwa Videoüberwachung mit Aufschaltung, ergänzt durch Revierkontrollen und einen Interventionsdienst.
Typische Bausteine eines Konzepts sind feste Posten, mobile Kontrollen, Interventionsdienst, technische Ergänzungen und organisatorische Maßnahmen wie eine geänderte Schlüsselverwaltung. Wie Sie diese Bausteine gegeneinander abwägen, erläutert der Ratgeber Objektschutz planen.
- Präsenz: Wo muss jemand dauerhaft sichtbar sein, zum Beispiel am Empfang oder an der Torkontrolle?
- Kontrolle: Wo genügen unregelmäßige Kontrollgänge oder Revierfahrten?
- Reaktion: Wer rückt aus, wenn ein Alarm kommt, und wie schnell ist das realistisch?
- Technik: Wo kann Technik einen Menschen sinnvoll ergänzen?
- Organisation: Welche Regeln im Haus müssen sich ändern?
Besonderheiten je Objektart
Jede Objektart hat eigene Schwerpunkte, die bei der Begehung besonders beachtet werden sollten. Auf einer Baustelle ändern sich Zufahrten, Lagerflächen und Gerüste oft wöchentlich. Hier ist die Begehung eine Momentaufnahme, die mit dem Bauablauf mitwachsen muss. Wichtig sind Container, abgestellte Maschinen, Kabeltrommeln und Kupfervorräte.
In einem Logistiklager stehen Ladezonen, Rolltore, Leergutflächen und der Lkw-Verkehr in der Nacht im Mittelpunkt. Bei leerstehenden Gebäuden geht es um Einstiegsmöglichkeiten, Vandalismusspuren, Wasser- und Stromversorgung sowie den baulichen Zustand, der auch die Sicherheit der Einsatzkräfte betrifft. In Bürogebäuden mit mehreren Mietern sind Zutrittswege, Tiefgarage und die Verteilung der Schlüssel zwischen den Mietparteien entscheidend.
Bei Anlagen der kritischen Infrastruktur, etwa einem Umspannwerk oder einer Wasserversorgung, kommen behördliche und branchenspezifische Anforderungen hinzu. Hier bezieht die Begehung vorhandene Risikoanalysen des Betreibers ein und stimmt sich mit dessen Sicherheitsbeauftragten ab.
Das Begehungsprotokoll
Am Ende steht ein schriftliches Protokoll. Es hält fest, wer an der Begehung teilgenommen hat, welche Bereiche besichtigt wurden, welche Schwachstellen auffielen und welche Empfehlungen daraus folgen. Fotos mit Bezug zum Lageplan machen die Befunde nachvollziehbar.
Das Protokoll ist mehr als ein Anhang zum Angebot. Es dient später als Grundlage für die Dienstanweisung und als Vergleichsmaßstab, wenn sich das Objekt verändert. Bei öffentlichen Vergaben ist ein Besichtigungstermin für alle Bieter üblich, damit alle Angebote auf denselben Informationen beruhen.
Häufige Versäumnisse
- Begehung ohne jemanden, der Schlüssel und Technik kennt, sodass die Hälfte der Räume verschlossen bleibt
- Nur der Haupteingang wird betrachtet, Nebeneingänge und Anlieferung bleiben außen vor
- Keine Begehung bei Dunkelheit trotz reinem Nachtbedarf
- Erkenntnisse werden nicht schriftlich festgehalten und gehen beim Personalwechsel verloren
- Das Konzept wird einmal erstellt und danach nie wieder überprüft
Begehung anfragen
Wenn Sie für ein Objekt in Schleswig-Holstein, Hamburg oder Berlin ein Angebot von Staffsec wünschen, vereinbaren Sie gern einen Begehungstermin über die Kontaktseite. Bringen Sie Lageplan und Technikübersicht mit, dann wird der Termin besonders ergiebig.


