Warum Sport eigene Regeln braucht
Ein Konzert hat eine Bühne, einen Innenraum und klare Einlasszeiten. Eine Sportveranstaltung ist oft weniger übersichtlich: Ein Stadtlauf zieht sich über Kilometer durch Wohnstraßen, ein Jugendturnier verteilt sich auf sechs Plätze und eine Halle, ein Spieltag bringt zwei Lager mit, die sich nicht unbedingt mögen. Dazu kommen Aktive, die sich körperlich verausgaben, Zuschauer, die mitgehen, und häufig ehrenamtliche Helfer, die zum ersten Mal eine Ordnerweste tragen.
Die Sicherheitsplanung muss deshalb drei Gruppen gleichzeitig im Blick behalten: die Sportler, die Zuschauer und die Unbeteiligten – Anwohner, Autofahrer, Passanten. Wer nur an eine dieser Gruppen denkt, plant Lücken ein.
Drei Formate, drei Schwerpunkte
Die folgende Übersicht zeigt, worauf es bei den häufigsten Formaten ankommt. Sie ersetzt keine Gefährdungsbeurteilung, hilft aber beim Sortieren.
| Format | Typische Risiken | Schwerpunkt der Sicherung |
|---|---|---|
| Lauf- und Radveranstaltung auf öffentlichen Straßen | Fahrzeuge auf der Strecke, Querungen, Kreislaufprobleme, Stau im Zielbereich | Streckenposten, Absperrungen, Querungsstellen, Zielauslauf |
| Turnier mit vielen Mannschaften | Unübersichtliches Gelände, Wertsachen in Kabinen, Parkchaos, Gewitter | Zugänge, Kabinen- und Taschenaufsicht, Parkplatzlenkung, Wetterplan |
| Spieltag mit Zuschauern beider Vereine | Rivalität, Alkohol, Pyrotechnik, Platzsturm | Einlass, Fantrennung, Blocksicherung, Kommunikation mit Polizei |
In der Praxis mischen sich die Formate. Ein Volkslauf mit Kinderwettbewerb, Siegerehrung und Zeltfest am Abend hat Elemente von allen drei – und am Abend meist ganz andere Risiken als am Vormittag.
Strecke und öffentlicher Raum
Sobald eine Veranstaltung Straßen mehr als verkehrsüblich in Anspruch nimmt, braucht sie eine Erlaubnis nach § 29 Abs. 2 StVO von der zuständigen Straßenverkehrsbehörde. Die Erlaubnis enthält in der Regel Auflagen zu Sperrzeiten, Beschilderung und Absicherung. Ein häufiger Irrtum: Ordner und Streckenposten haben keine polizeilichen Befugnisse. Sie dürfen den Verkehr nicht wie ein Polizeibeamter regeln, sondern nur im Rahmen der genehmigten Absperrung handeln, Teilnehmer warnen und Passanten freundlich umleiten.
Deshalb ist die Strecke so zu planen, dass Streckenposten möglichst wenig improvisieren müssen. Bewährt haben sich diese Punkte:
- Querungsstellen festlegen, an denen Anwohner und Fußgänger die Strecke kontrolliert überqueren können – mit fest eingeteiltem Posten
- Einfahrten und Grundstückszufahrten vorab erfassen, Anwohner rechtzeitig informieren
- Rettungsgasse entlang der ganzen Strecke freihalten, Anfahrtspunkte für den Rettungsdienst markieren
- Wendepunkte und Engstellen doppelt besetzen, weil dort Läufer und Begleitfahrzeuge aufeinandertreffen
- Schlussfahrzeug oder Schlussläufer, nach dessen Passieren die Streckenposten abrücken und Sperren aufgehoben werden
Für Absperrungen auf öffentlichen Straßen gelten die Regeln der Verkehrssicherung. Wer dazu mehr wissen will, findet Hintergründe bei unseren Kontrollfahrten nach RSA 21.
Start, Ziel und Siegerehrung
Die kritischsten Minuten eines Laufs liegen selten auf der Strecke, sondern im Zielbereich. Hier kommen erschöpfte Teilnehmer an, Angehörige drängen nach vorn, Zeitnahme und Verpflegung brauchen Platz. Ein Zielauslauf, der nach der Zeitmessmatte abrupt endet, erzeugt Rückstau bis auf die Strecke. Planen Sie den Auslauf lang genug, trennen Sie ihn mit Gittern vom Publikum und legen Sie den Treffpunkt für Angehörige bewusst ein Stück entfernt.
Beim Start ist die Aufgabe umgekehrt: Teilnehmer in Startblöcke ordnen, Zuschauer aus der Startgasse halten, Spätankommende nicht über Absperrungen klettern lassen. Bei Siegerehrungen auf einer Bühne gelten dann die gleichen Überlegungen wie bei jeder kleinen Bühnenveranstaltung: Bühnenkante, Fluchtwege, Technik. Vertiefendes dazu steht im Beitrag zum Crowd Management.
Spieltage mit Publikum
Im Amateurfußball, Handball oder Eishockey reicht bei den meisten Spielen ein freundlicher Ordnerdienst. Anders ist es bei Derbys, Aufstiegs- oder Pokalspielen mit Gästeanhang. Dann entscheidet sich vieles schon bei der Anreise: Wo kommen Gästefans an, wie gelangen sie zu ihrem Bereich, ohne die Heimkurve zu kreuzen, und wo verlassen sie das Gelände wieder?
Beim Einlass werden Taschen und Personen nur mit Zustimmung kontrolliert; wer nicht zustimmt, kann auf Grundlage des Hausrechts abgewiesen werden. Verbotene Gegenstände wie Pyrotechnik, Glas oder Fahnenstangen gehören in die Stadionordnung und auf die Eintrittskarte, damit die Regel vorher bekannt ist. Details zu Grenzen und Ablauf finden Sie in den Beiträgen zur Einlasskontrolle und zum Hausrecht.
Wichtig ist eine klare Absprache mit der Polizei: Sie ist für den öffentlichen Raum und für Straftaten zuständig, der Ordnungsdienst für den Ablauf auf dem Gelände des Veranstalters. Wer wann wen informiert, gehört in die Besprechung vor dem Spiel.
Wetter, Gesundheit und Abbruch
Sport unter freiem Himmel hängt am Wetter. Hitze bringt Kreislaufprobleme bei Aktiven und Zuschauern, Gewitter gefährdet alle auf offenen Plätzen, Sturm wirft Zelte, Banner und Zielbögen um. Ein belastbarer Plan legt vorher fest, wer über Unterbrechung oder Abbruch entscheidet, ab welchen Anzeichen und wohin die Menschen dann gehen sollen.
Der Sanitätsdienst ist eine eigene Aufgabe und wird von Hilfsorganisationen oder spezialisierten Diensten gestellt. Der Sicherheitsdienst sorgt dafür, dass Sanitäter durchkommen, Rettungswege frei bleiben und Notfälle schnell gemeldet werden. Dazu gehört, dass jede Einsatzkraft weiß, wie sie einen Notfall durchgibt: Ort möglichst genau, Zahl der Betroffenen, was passiert ist.
- Wetterlage am Vortag und am Morgen prüfen, Warnungen des Deutschen Wetterdienstes verfolgen
- Schutzräume oder Fahrzeuge für Gewitter benennen – ein Vereinsheim reicht selten für alle
- Trinkstellen auf der Strecke und im Zuschauerbereich einplanen
- Durchsagen für Unterbrechung und Abbruch vorformulieren, damit sie im Ernstfall nur abgelesen werden
Ehrenamt und Sicherheitsdienst sinnvoll verbinden
Die meisten Sportveranstaltungen leben von Vereinsmitgliedern. Das ist gut so, denn sie kennen Gelände und Abläufe. Schwierig wird es dort, wo Konflikte zu erwarten sind oder Aufgaben eine Unterrichtung nach § 34a GewO voraussetzen – etwa bei Kontrollen im Einlassbereich von Veranstaltungen mit Gewerbebezug oder bei Bewachungsaufgaben über Nacht. Ein häufiges Modell: Der Verein stellt Streckenposten, Parkplatzhelfer und Infostände, der Sicherheitsdienst übernimmt Einlass, Fantrennung, Kassen- und Kabinenbereiche und die Nachtbewachung von Zelten und Zeitnahmetechnik.
Entscheidend ist, dass beide Gruppen dieselbe Einweisung bekommen, dieselben Funk- oder Telefonwege nutzen und wissen, wer die Gesamtleitung hat. Eine kurze gemeinsame Besprechung vor Beginn ist dafür der einfachste Weg; wie sie abläuft, beschreibt der Beitrag zur Sicherheitsbesprechung.
Typische Fehler aus der Praxis
- Streckenposten ohne Telefonnummer der Rennleitung und ohne Streckenplan
- Zielauslauf zu kurz, Angehörige direkt hinter der Ziellinie
- Kein Plan für das Gewitter um 15 Uhr, obwohl die Vorhersage es seit Tagen zeigt
- Gästefans und Heimfans teilen sich Parkplatz, Imbiss und Toiletten
- Zelte, Pokale und Technik bleiben über Nacht unbewacht auf dem Platz
- Ehrenamtliche Helfer sollen Konflikte lösen, für die sie weder vorbereitet noch zuständig sind
Staffsec unterstützt Vereine und Veranstalter in Schleswig-Holstein, Hamburg und Berlin mit Veranstaltungsschutz und Nachtbewachung. Wenn Sie eine Veranstaltung planen, schildern Sie uns den Ablauf über die Kontaktseite.


