Vom Bedarf zur Schicht
Für Auftraggeber sieht ein Bewachungsauftrag oft einfach aus: Montag bis Freitag Empfang von sieben bis achtzehn Uhr, nachts und am Wochenende zwei Kontrollen. Hinter dieser Zeile steht aber eine Planung, die Woche für Woche aufgeht oder eben nicht. Ein guter Schichtplan verbindet Ihren Bedarf, die gesetzlichen Arbeitszeitgrenzen und die Qualifikation der Einsatzkräfte.
Am Anfang steht die Frage, wie viele Stunden pro Woche tatsächlich zu besetzen sind. Ein Empfang mit elf Stunden an fünf Tagen ergibt 55 Stunden, also mehr, als eine Vollzeitkraft leisten kann. Eine rund um die Uhr besetzte Pforte kommt auf 168 Stunden pro Woche. Daraus ergibt sich, wie viele Personen ein Objekt dauerhaft tragen müssen, Urlaub und Krankheit noch nicht eingerechnet.
Gängige Schichtmodelle
Welches Modell passt, hängt vom Objekt, der Belastung und den Wünschen des Auftraggebers ab. Kein Modell ist pauschal besser. Wichtig ist, dass es mit dem Arbeitszeitrecht vereinbar ist und die Einsatzkräfte über Wochen aufmerksam bleiben.
| Modell | Typischer Einsatz | Stärken | Zu beachten |
|---|---|---|---|
| Zwei Schichten à acht Stunden | Empfang, Pforte mit Tagbetrieb | Gute Erholung, klare Übergaben | Mehr Übergaben pro Tag |
| Drei Schichten rund um die Uhr | Dauerhaft besetzte Pforte, Werkschutz | Kurze Dienste, gleichmäßige Belastung | Nachtschicht besonders planen |
| Lange Schichten mit Ausgleich | Objektschutz mit ruhigen Phasen | Weniger Wechsel, mehr Kontinuität | Nur im Rahmen von Gesetz und Tarif |
| Geteilte Einsätze | Revierdienst, Schließdienst | Kontrollen zu wechselnden Zeiten | Fahrwege und Ruhezeiten einplanen |
Für die Nachtarbeit lohnt ein eigener Blick. Unser Ratgeber zur Nachtwache beschreibt, was in dieser Zeit typischerweise zu tun ist und wie die Aufmerksamkeit erhalten bleibt.
Die gesetzlichen Leitplanken
Das Arbeitszeitgesetz setzt die Grenzen, innerhalb derer jeder Schichtplan liegen muss. Nach § 3 ArbZG darf die werktägliche Arbeitszeit acht Stunden nicht überschreiten. Sie kann auf bis zu zehn Stunden verlängert werden, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten oder 24 Wochen im Durchschnitt acht Stunden werktäglich nicht überschritten werden. Nach Ende der Arbeitszeit gilt eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens elf Stunden (§ 5 ArbZG).
Pausen regelt § 4 ArbZG: mindestens 30 Minuten bei mehr als sechs Stunden, 45 Minuten bei mehr als neun Stunden. Tarifverträge können in bestimmten Grenzen abweichende Regelungen treffen, etwa wenn in die Arbeitszeit regelmäßig Bereitschaft fällt (§ 7 ArbZG). Für Sie als Auftraggeber heißt das: Ein Dienstplan, der eine Person dauerhaft zwölf Stunden ohne Ablösung einplant, sollte Fragen auslösen. Mehr dazu im Ratgeber zur Arbeitszeit im Sicherheitsdienst.
Qualifikation passt zur Schicht
Nicht jede Einsatzkraft darf jede Aufgabe übernehmen. Für einige Tätigkeiten verlangt § 34a GewO statt der Unterrichtung die Sachkundeprüfung, zum Beispiel für Kontrollgänge im öffentlichen Verkehrsraum oder in Bereichen mit tatsächlich öffentlichem Verkehr, für den Schutz vor Ladendieben und für die Bewachung im Einlassbereich gastgewerblicher Diskotheken. Der Schichtplan muss das abbilden.
Darüber hinaus gibt es objektbezogene Anforderungen: Ersthelfer pro Schicht, Brandschutzhelfer, Sprachkenntnisse am Empfang, Führerschein für den Revierdienst, Einweisung in eine Brandmeldezentrale. Eine gute Planung führt für jedes Objekt eine Liste der Pflichtqualifikationen und prüft jede Schicht dagegen. Hintergründe zu den Stufen der Qualifikation erklärt der Ratgeber § 34a GewO: Unterrichtung und Sachkunde.
- Alle eingesetzten Personen sind im Bewacherregister gemeldet und für das Objekt eingewiesen.
- In jeder Schicht ist mindestens eine Person mit den objektspezifischen Kenntnissen, etwa zur Brandmeldeanlage.
- Alleinarbeit ist über ein Personennotsignal oder regelmäßige Kontrollanrufe abgesichert, wie es die DGUV Vorschrift 23 vorsieht.
- Neue Kräfte laufen ihre ersten Dienste gemeinsam mit einer erfahrenen Kraft.
Feste Teams statt ständig neuer Gesichter
Für Auftraggeber zählt vor allem eines: Die Menschen am Empfang oder auf Streife sollen das Objekt kennen. Ein guter Schichtplan arbeitet deshalb mit einem festen Stamm je Objekt, ergänzt um wenige eingewiesene Vertretungen. So weiß die Empfangskraft, welcher Mieter wann Lieferungen erwartet, und der Streifengänger kennt die Tür, die gern klemmt.
Ein Beispiel aus Kiel: Ein Bürogebäude mit Empfang an Werktagen wird von zwei festen Kräften im Wechsel betreut, eine dritte Person ist eingewiesen und übernimmt Urlaub und Krankheit. Diese kleine Gruppe deckt das Objekt das ganze Jahr ab, ohne dass Besucher ständig neue Gesichter sehen. Wie Vertretungen im Detail organisiert werden, zeigt der Ratgeber zu Ausfall und Vertretung.
Was Sie als Auftraggeber beitragen können
Die Planung beim Dienstleister ist nur so gut wie die Informationen, die er bekommt. Viele Engpässe entstehen, weil Änderungen zu spät gemeldet werden.
- Feste Zeiten früh festlegen: Öffnungszeiten, Schließzeiten und Kontrollfenster schriftlich vereinbaren.
- Sonderdienste rechtzeitig ankündigen: Veranstaltungen, Inventuren, Umzüge oder Feiertage mit verändertem Betrieb.
- Kurzfristige Änderungen über einen festen Weg melden: eine Ansprechperson, eine Rufnummer, eine Mailadresse.
- Feedback geben: Wenn eine Kraft besonders gut passt oder nicht, hilft das bei der Zuordnung.
- Zugänge bereitstellen: Für neue Kräfte rechtzeitig Ausweise, Karten und Einweisungen ermöglichen.
Wer diese Punkte in der Dienstanweisung und im Vertrag festhält, erleichtert beiden Seiten die Arbeit.
Schichtwechsel und Übergabe
Jeder Schichtwechsel ist ein Moment, in dem Informationen verloren gehen können. Bewährt hat sich eine kurze, feste Übergabe: Was ist passiert, was ist offen, worauf muss die nächste Schicht achten? Digitale Berichte mit Zeitstempel machen diese Übergabe nachvollziehbar und für den Auftraggeber einsehbar. Das ersetzt aber nicht das kurze Gespräch zwischen den beiden Kräften, wenn sie sich vor Ort ablösen.
Planen Sie die Ablösung so, dass sich die Schichten einige Minuten überschneiden oder die Übergabe zu einer ruhigen Zeit stattfindet. Eine Übergabe mitten im Besucherandrang am Morgen ist weniger sorgfältig als eine um halb sieben. Hinweise zur Dokumentation bietet der Ratgeber zu digitalen Kontrollberichten.
Woran Sie eine solide Planung erkennen
Sie müssen den Dienstplan Ihres Dienstleisters nicht kontrollieren. Einige Anzeichen zeigen aber, ob die Planung trägt: Die Besetzung ist pünktlich, die Gesichter wechseln selten, Übergaben sind dokumentiert, und bei Ausfall kommt eine eingewiesene Vertretung. Wenn regelmäßig Kräfte erscheinen, die das Objekt nicht kennen, oder Dienste kurzfristig unbesetzt bleiben, sollten Sie das ansprechen.
Staffsec plant Einsätze in Schleswig-Holstein, Hamburg und Berlin mit festen Objektteams und eingewiesenen Vertretungen und dokumentiert jeden Dienst digital mit Zeitstempel.


