Gründe für einen Wechsel und der richtige Zeitpunkt
Auftraggeber wechseln ihren Sicherheitsdienst aus unterschiedlichen Gründen: wiederholt unbesetzte Posten, ständig neue Gesichter, fehlende Berichte, ein Umzug, eine Erweiterung des Objekts oder schlicht ein neues Vergabeverfahren nach Vertragsende. Unabhängig vom Anlass gilt: Der Tag des Wechsels ist der verwundbarste Tag des Jahres, weil ein Team geht, das das Objekt kennt, und eines kommt, das es noch lernen muss.
Planen Sie den Wechsel deshalb nicht in Zeiten mit erhöhtem Risiko. Ein Lager in der Hochsaison vor Weihnachten, eine Veranstaltungsstätte mitten in der Saison oder eine Baustelle kurz vor der Abnahme sind schlechte Zeitpunkte. Besser ist eine ruhige Phase, in der Abläufe in Ruhe eingeübt werden können.
Vertrag und Kündigung prüfen
Bevor Sie Angebote einholen, lesen Sie den bestehenden Vertrag: Kündigungsfrist, Mindestlaufzeit, automatische Verlängerung, Regelungen zur Herausgabe von Schlüsseln, Unterlagen und Daten. Manche Verträge enthalten auch Pflichten zur Mitwirkung bei der Übergabe, andere schweigen dazu. Dann lohnt sich ein frühes, sachliches Gespräch mit dem bisherigen Dienstleister.
Rechnen Sie rückwärts: Kündigungsfrist plus Zeit für Angebotseinholung, Objektbegehungen der Bieter, Entscheidung und Vorlaufzeit des neuen Dienstleisters. Wie Sie Angebote fair gegenüberstellen, beschreibt der Ratgeber Angebote vergleichen.
Die Übergabeliste: was wechseln muss
Das Objektwissen steckt selten vollständig in Papieren. Viel davon liegt in den Köpfen der Einsatzkräfte: welche Tür klemmt, welcher Melder häufig Fehlalarm auslöst, welcher Mieter abends länger bleibt. Eine schriftliche Übergabeliste holt so viel wie möglich davon an die Oberfläche.
- Aktuelle Dienstanweisung mit allen Nachträgen und mündlichen Absprachen
- Schlüssel- und Kartenbestand mit Quittungen, gesperrte und verlorene Medien
- Alarm- und Meldepläne, Telefonketten, Ansprechpartner mit Erreichbarkeit
- Zugangscodes für Einbruchmeldeanlage und Schließsysteme, die nach dem Wechsel geändert werden
- Rundgangsrouten, Kontrollpunkte und Kontrollzeiten
- Bekannte Schwachstellen, Störungen und offene Mängelmeldungen
- Wachbuch beziehungsweise Einsatzberichte der letzten Monate als Lagebild
Überlappung statt harter Schnitt
Der sicherste Weg ist eine kurze Überlappung, in der das neue Team gemeinsam mit dem bisherigen Dienst läuft oder zumindest von dessen Objektleitung eingewiesen wird. Das ist nicht immer durchsetzbar, gerade wenn das Vertragsverhältnis angespannt ist. Dann ersetzen Einweisungsrunden durch die eigene Haustechnik und den Objektverantwortlichen einen Teil dieses Wissens.
Wo keine Überlappung möglich ist, hilft eine verstärkte Anfangsbesetzung: In den ersten Tagen ist zusätzlich die Einsatzleitung des neuen Dienstleisters vor Ort oder fährt mehrfach am Tag vorbei, beantwortet Fragen und korrigiert Abläufe sofort.
| Zeitpunkt | Aufgabe | Verantwortlich |
|---|---|---|
| Vor dem Start | Objektbegehung, Übergabeliste, Dienstanweisung abstimmen | Auftraggeber und neuer Dienstleister |
| Vor dem Start | Einsatzkräfte im Bewacherregister melden, Dienstplan erstellen | Neuer Dienstleister |
| Letzter Tag alt | Schlüssel und Medien gegen Quittung zurück, Codes sperren | Auftraggeber und bisheriger Dienstleister |
| Erster Tag neu | Schlüsselausgabe gegen Quittung, Einweisung jedes Postens | Auftraggeber und neuer Dienstleister |
| Erste Wochen | Tägliche Rückmeldung, Korrekturen in der Dienstanweisung | Beide Seiten |
Personal: Übernahme von Einsatzkräften
Häufig fragen Auftraggeber, ob der neue Dienstleister bewährte Kräfte des alten übernehmen kann. Das ist möglich, wenn die Beschäftigten selbst wechseln wollen und ihre bisherigen Arbeitsverträge das zulassen. Für das Objekt kann es ein großer Vorteil sein, weil Ortskenntnis erhalten bleibt.
Arbeitsrechtlich ist Vorsicht geboten. Ob ein Betriebsübergang nach § 613a BGB vorliegt, hängt vom Einzelfall ab. Nach der Rechtsprechung reicht ein bloßer Auftragswechsel in der Regel nicht aus. In personalintensiven Tätigkeiten wie der Bewachung kann es aber anders aussehen, wenn der neue Dienstleister einen nach Zahl und Sachkunde wesentlichen Teil des Personals übernimmt. Diese Frage sollte der neue Dienstleister vorab rechtlich prüfen.
Sicherheitstechnische Maßnahmen beim Wechsel
Ein Wechsel ist der richtige Moment, um Zugänge aufzuräumen. Ändern Sie Codes der Einbruchmeldeanlage, sperren Sie Transponder und prüfen Sie, ob alle mechanischen Schlüssel zurückgekommen sind. Fehlt ein Generalschlüssel, ist ein Zylindertausch an kritischen Stellen oft die bessere Entscheidung als die Hoffnung, dass er wieder auftaucht. Hinweise dazu gibt der Ratgeber zur Schlüsselverwaltung.
Auch die Aufschaltung auf eine Leitstelle kann betroffen sein. Klären Sie, wer künftig Alarme empfängt, wer zur Intervention ausrückt und ob sich Telefonnummern in Alarmplänen ändern. Ein Testalarm am ersten Tag zeigt, ob die Kette funktioniert.
Kommunikation im Haus nicht vergessen
Ein Wechsel betrifft nicht nur Auftraggeber und Dienstleister. Mitarbeiter, Mieter, Lieferanten und Reinigungsfirmen sind daran gewöhnt, wer am Empfang sitzt und wie Abläufe funktionieren. Wenn plötzlich neue Gesichter Ausweise verlangen oder Lieferungen anders annehmen, entstehen Reibungen, die mit Sicherheit nichts zu tun haben.
Informieren Sie daher rechtzeitig alle Betroffenen: per Aushang, Rundmail oder kurzer Nachricht an die Mieter. Nennen Sie den Starttermin, den neuen Ansprechpartner und gegebenenfalls geänderte Regeln, etwa für Besucheranmeldung oder Schlüsselausgabe. Wenn der Wechsel mit neuen Kontrollen verbunden ist, erklären Sie kurz den Grund. Das erhöht die Akzeptanz spürbar.
Denken Sie auch an externe Stellen. Hat die Polizei, die Feuerwehr oder eine Leitstelle die Telefonnummer des bisherigen Objektdienstes hinterlegt, muss diese aktualisiert werden. Dasselbe gilt für Aufzugsnotrufe, Störungsmelder von Heizung und Kühlanlagen oder Schilder mit Notrufnummern an Toren und Zufahrten. Eine kleine Liste aller Stellen, an denen Rufnummern oder Namen des Sicherheitsdienstes stehen, spart nach dem Wechsel viel Sucherei.
Die ersten Wochen: genau hinsehen
Nach dem Start lohnt sich ein engmaschiges Hinsehen. Lesen Sie in den ersten Wochen die Einsatzberichte, sprechen Sie mit Empfang, Haustechnik und Nutzern und vereinbaren Sie mit der Einsatzleitung feste Rückmeldetermine. Kleine Abweichungen sind normal, entscheidend ist, wie schnell sie behoben werden.
Nach etwa einem Monat bietet sich ein erstes Qualitätsgespräch an, in dem die Dienstanweisung aktualisiert und offene Punkte der Übergabe abgeschlossen werden. Mehr zur laufenden Kontrolle finden Sie im Ratgeber zur Qualitätskontrolle beim Sicherheitsdienst.
Staffsec übernimmt Objekte in Schleswig-Holstein, Hamburg und Berlin mit einer geplanten Startphase und digitalen Einsatzberichten mit Zeitstempel. Sprechen Sie uns gern über die Kontaktseite an.


