Zwei Katastrophen, die die Stadt geformt haben
Im Juli 1627, mitten im Dreißigjährigen Krieg, explodierte auf dem Kirchhof Pulver und zerstörte die Stadtkirche fast vollständig. Knapp hundert Jahre später, in der Nacht vom 15. auf den 16. Oktober 1709, brannte die Stadt: Über 150 Häuser, das Rathaus und erneut die Kirche mit Orgel, Altar, Glocken und Pfarrbibliothek gingen verloren. Der Ingenieur Jacob Reutz plante den Wiederaufbau mit geraden Straßen und ließ das Gelände um anderthalb Meter aufschütten.
Was damals neu entstand, prägt bis heute das Stadtbild: das Fachwerkrathaus von 1711/1712, Bürgerhäuser am Wall, die wieder aufgebaute Kirche. Arbeiten mit offener Flamme in solchen Gebäuden verlangen besondere Sorgfalt.
St. Marien: Feldstein, Gewölbe und Orgel
Die Stadtkirche St. Marien hat einen romanischen Feldsteinkern aus dem 13. Jahrhundert, wurde nach 1627 und nach 1709 wieder aufgebaut und 1860 bis 1865 neugotisch umgestaltet. Innen spannt sich ein Kreuzrippengewölbe, auf der Westempore steht eine Friese-Orgel von 1892, die 2018 umfassend restauriert wurde. Der viergeschossige Westturm trägt eine barocke Haube mit achtseitiger Laterne, seit den frühen 1980er Jahren mit Kupfer gedeckt; dazu kommt eine Turmuhr mit Schlagwerk.
Bei Klempnerarbeiten an Kupferblech, beim Löten an Rinnen, bei Arbeiten an Blitzschutz, Elektrik oder Heizung kann Glut in Gebälk, Gewölbezwickel oder Staub fallen, wo sie Stunden später aufflammt. Die Brandwache verfolgt den Funkenflug, auch in den Räumen über und unter der Arbeitsstelle, und kontrolliert genau diese Stellen nach dem Ende der Arbeiten mehrmals nach.
Weitere Einsätze für eine Brandwache
In Boizenburg/Elbe kommen außerdem diese Anlässe in Frage:
- Schweiß- und Trennarbeiten an Fachwerkhäusern in der Altstadt, an Brücken zum Wall oder am Rathaus
- Instandhaltung in den Werken in Lindhorst und der Bahnhofsvorstadt, wo Lebensmittel, Futter, Kunststoffe und Fliesen hergestellt werden
- Arbeiten auf dem Kulturschiff Minna oder an anderen Schiffen im Hafen, wo Holz, Farbe und Treibstoff nahe beieinander liegen
- Abbruch und Rückbau leerer Gewerbegebäude, bei denen Metall mit Brenner zerlegt wird
- Umbauten in Schule, Klinik oder Verwaltung, während die Brandmeldeanlage abgeschaltet ist
- Höhenfeuerwerk oder Feuerstellen bei Festen, wenn die Genehmigung eine Wache fordert
So arbeitet die Brandsicherheitswache
Bevor der erste Funke fliegt, geht die Wache mit dem Handwerker durch den Bereich. Brennbares wird entfernt oder abgedeckt, Fugen und Durchbrüche werden geschlossen, Löschmittel stehen griffbereit, die Fluchtwege sind frei. Während der Arbeit beobachtet sie die Umgebung und schreitet ein, sobald sich etwas entzündet.
Nach dem Ende bleibt sie vor Ort und prüft in festen Abständen, so lange es der Erlaubnisschein für feuergefährliche Arbeiten oder Ihr Versicherer verlangt. Kommt es zum Brand, alarmiert sie die Feuerwehr, beginnt mit dem Löschen, wenn dies ohne Gefahr möglich ist, und weist die Einsatzkräfte ein. Bei einer abgeschalteten Brandmeldeanlage übernehmen unsere Kräfte die Kontrolle der Räume in einem vereinbarten Takt.
Fachwerk am Wasser: worauf es ankommt
Die Bürgerhäuser in der Boizenburger Altstadt sind oft Fachwerkbauten mit Holzbalken und alten Dachstühlen. Zwischen Balken, Gefachen und Verkleidungen gibt es Hohlräume, in denen sich Funken unbemerkt festsetzen können. Wer dort Leitungen erneuert, Dachrinnen lötet oder Bitumenbahnen mit dem Brenner verklebt, sollte die Wache nicht nur auf die Arbeitsstelle, sondern auch auf Nachbarräume und das angrenzende Haus ausrichten.
Weil viele Häuser eng aneinander stehen und Zufahrten über Brücken am Wall führen, klären wir vorher, wie die Feuerwehr im Ernstfall heranfahren kann und wo Löschwasser bereitsteht.
Organisation und Kosten der Brandwache
Boizenburg/Elbe gehört zu unserer Kernregion Nord. Ein eigenes Büro haben wir in der Stadt nicht, die Brandwachen werden aus Neumünster geplant. Die Kräfte haben mindestens die Unterrichtung nach § 34a GewO und werden vor jedem Einsatz in Gebäude, Gefahren und die Löschmittel vor Ort eingewiesen. Unsere Abläufe sind nach ISO 9001 und DIN 77200 zertifiziert.
Weitere Informationen finden Sie unter Brandwachen und Brandwache in Mecklenburg-Vorpommern. Für Einsätze in der Nachbarstadt an der Elbe gibt es die Seite zu Lauenburg/Elbe.
Für eine Brandwache gilt als Richtwert eine Spanne von 23 bis 50 € netto je Stunde. Zur eigentlichen Arbeitszeit kommt die Nachkontrolle, die oft länger dauert, als man denkt: Wer am Spätnachmittag am Kirchturm lötet, braucht die Wache bis in den Abend, und ein Ausfall der Brandmeldeanlage über mehrere Tage bedeutet durchgehend Nachtstunden. Bei geplanten Arbeiten erhalten Sie vorab ein Angebot, kurzfristige Einsätze klären wir telefonisch unter +49 4321 78 33 590.


