Publikumsverkehr unter Druck
In Jobcentern, Sozialämtern, Ausländerbehörden, Bürgerämtern und Zulassungsstellen geht es für Besucher oft um viel: Geld zum Leben, ein Aufenthaltsrecht, einen dringenden Termin. Lange Wartezeiten, unverständliche Bescheide und Sprachbarrieren können Frust auslösen, der sich am Schalter entlädt. Die meisten Konflikte beginnen verbal und lassen sich in dieser Phase noch auffangen.
Beschäftigte in solchen Behörden berichten von Beleidigungen und Drohungen, seltener auch von körperlichen Übergriffen. Der Dienstherr hat gegenüber seinen Beschäftigten eine Fürsorgepflicht und muss nach dem Arbeitsschutzgesetz die Gefährdungen am Arbeitsplatz beurteilen. Ein Sicherheitsdienst ist in diesem Rahmen ein Baustein neben baulichen und organisatorischen Maßnahmen.
Das Hausrecht der Behörde
Anders als im privaten Bereich ist das Hausrecht einer Behörde öffentlich-rechtlich geprägt. Es dient dazu, den ordnungsgemäßen Dienstbetrieb zu sichern, und wird von der Behördenleitung ausgeübt. Ein förmliches Hausverbot ist in der Regel ein Verwaltungsakt, der begründet sein muss und gegen den sich Betroffene wehren können. Es wird deshalb von der Behörde ausgesprochen, nicht vom Sicherheitsdienst.
Der Dienst setzt die Hausordnung im Auftrag durch: Er spricht an, fordert im Rahmen der übertragenen Befugnisse zum Verlassen des Hauses auf und ruft die Polizei, wenn jemand nicht geht oder es gefährlich wird. Wie weit die Befugnisse reichen, muss schriftlich in der Dienstanweisung stehen. Grundsätze dazu finden Sie im Ratgeber zum Hausrecht und zur Dienstanweisung.
Aufgaben des Sicherheitsdienstes im Amt
Je nach Größe der Dienststelle und Lage reichen die Aufgaben von einer einzelnen Kraft im Eingangsbereich bis zu einem Team mit festen Posten auf mehreren Etagen. Häufig sind es diese Tätigkeiten:
- Empfang und Orientierung: Besucher begrüßen, nach dem Anliegen fragen, zum richtigen Wartebereich lenken
- Präsenz in Wartezonen, um Spannungen früh zu erkennen
- Reaktion auf stille Alarme oder Notrufe aus Büros
- Begleitung bei schwierigen Gesprächen, wenn Beschäftigte das wünschen
- Öffnen und Schließen des Gebäudes, Kontrollgänge vor und nach den Öffnungszeiten
- Einlasskontrolle bei besonderen Lagen, etwa nach Drohungen
- Dokumentation von Vorfällen als Grundlage für Hausverbote und Strafanzeigen
Deeskalation statt Konfrontation
In einer Behörde ist der Sicherheitsdienst kein Türsteher. Die Besucher haben ein Recht darauf, ihre Anliegen vorzutragen, und viele von ihnen sind in einer schwierigen Lebenslage. Gute Einsatzkräfte erkennen Anzeichen einer Eskalation, sprechen Menschen ruhig an, bieten einen Platz oder ein Glas Wasser an und schaffen Abstand, bevor es laut wird.
Dazu gehört auch die Fähigkeit, einfache Erklärungen zu geben, ohne in die Sachbearbeitung einzugreifen. Sätze wie „Ich kann Ihnen den Bescheid nicht erklären, aber ich sorge dafür, dass Sie jemand anspricht“ wirken oft mehr als jede Anweisung. Mehrsprachigkeit im Team ist in vielen Dienststellen ein echter Vorteil. Hintergründe zu Gesprächstechniken erläutert der Glossareintrag zur Deeskalation.
Wichtig ist die Nachsorge für die betroffenen Beschäftigten. Auch ein Vorfall ohne körperliche Verletzung kann belasten. Viele Behörden haben dafür interne Ansprechpartner oder arbeiten mit der Unfallkasse zusammen.
Technik, Raum und ein Alarmablauf, der funktioniert
Ein Sicherheitsdienst allein schützt keinen Arbeitsplatz, an dem der Weg zur Tür durch den Besucher versperrt ist. Viele Gefährdungsbeurteilungen kommen deshalb zu einem Bündel aus Maßnahmen, das Technik, Bau und Personal verbindet.
Der stille Alarm ist dabei nur so gut wie die Reaktion darauf. Bewährt hat sich ein Ablauf, der für alle Beteiligten eindeutig ist und regelmäßig geübt wird. Ein Beispiel aus einem Bürgerservice mit mehreren Etagen:
| Bereich | Beispiele |
|---|---|
| Raum | Zweiter Ausgang oder Verbindungstür zum Nachbarbüro, Schreibtisch so gestellt, dass der Fluchtweg frei bleibt, keine losen schweren Gegenstände |
| Technik | Stiller Alarm am Arbeitsplatz oder im PC, Notrufknopf, Kameras im Eingangsbereich mit klarer datenschutzrechtlicher Grundlage |
| Organisation | Terminvergabe statt langer Wartezeiten, Gespräche zu zweit bei bekannten Konfliktfällen, Meldeweg für Vorfälle |
| Personal | Sichtbare Präsenz des Sicherheitsdienstes, festgelegte Reaktion auf Alarm, Schulung der Beschäftigten |
- Die Beschäftigte löst am PC einen stillen Alarm aus, der Raum und Etage anzeigt.
- Die Sicherheitskraft und eine benannte Kollegin aus dem Nachbarbüro gehen sofort hin.
- Vor Ort wird die Lage beruhigt, der Besucher wird gegebenenfalls aus dem Büro begleitet.
- Wird es gefährlich, verständigt die Pforte die Polizei.
- Nach dem Vorfall wird ein Bericht geschrieben, die Leitung entscheidet über Hausverbot oder Anzeige.
Besondere Lagen: Wahltage, Demonstrationen, Drohungen
Neben dem Alltag gibt es Tage, an denen die Anforderungen sprunghaft steigen. Bei Wahlen werden Rathäuser und Briefwahlstellen stark besucht, bei Ratssitzungen zu umstrittenen Themen kommen viele Bürger in den Sitzungssaal, vor manchen Behörden finden Kundgebungen statt. Auch eine konkrete Drohung gegen einzelne Beschäftigte kann zeitweise mehr Schutz erforderlich machen.
Für solche Lagen lohnt eine vorbereitete Zusatzvereinbarung mit dem Dienstleister: Wie schnell kann zusätzliches Personal gestellt werden, wer entscheidet über eine Einlasskontrolle, wie wird mit der Polizei abgestimmt? Wer diese Fragen erst am Tag selbst klärt, verliert wertvolle Zeit. Versammlungen im öffentlichen Raum vor dem Gebäude sind dabei Sache der Versammlungsbehörde und der Polizei, der Sicherheitsdienst bleibt auf dem Grundstück und im Gebäude.
Dienstleister auswählen und Checkliste für die Dienststelle
Behörden vergeben Sicherheitsleistungen meist im Wettbewerb. Neben dem Preis sollten die Zuschlagskriterien Qualifikation, Einarbeitung, Vertretungsregelung und Erfahrung mit Publikumsverkehr berücksichtigen. Eine Zertifizierung nach DIN 77200 zeigt, dass der Dienstleister seine Prozesse nach einer für Sicherheitsdienste geschaffenen Norm ausrichtet. Was bei öffentlichen Verfahren zu beachten ist, beschreibt der Ratgeber zur öffentlichen Ausschreibung.
Für den Alltag zählt vor allem Kontinuität. Feste Gesichter, die die Abläufe und die Beschäftigten kennen, schaffen Vertrauen. Eine klare Einarbeitung neuer Kräfte und eine dokumentierte Übergabe zwischen den Schichten verhindern, dass Wissen verloren geht.
Vor dem Start und danach in regelmäßigen Abständen hilft ein kurzer Blick auf diese Punkte:
- Gefährdungsbeurteilung für Arbeitsplätze mit Publikumsverkehr aktuell?
- Hausordnung vorhanden und im Eingangsbereich ausgehängt?
- Befugnisse des Sicherheitsdienstes schriftlich geregelt?
- Alarmweg technisch geprüft und geübt?
- Ansprechpartner für Hausverbote und Strafanzeigen benannt?
- Berichte werden ausgewertet und fließen in Verbesserungen ein?
Unterstützung für Ihre Dienststelle
Staffsec stellt Empfangs- und Objektschutzdienste für öffentliche und private Auftraggeber in Schleswig-Holstein, Hamburg und Berlin. Gern besprechen wir Ihre Dienststelle über die Kontaktseite.


