Das Wetter ist der unberechenbarste Gast
Open-Air-Veranstaltungen leben vom freien Himmel. Ein Konzert am Hafen, ein Stadtfest auf dem Marktplatz, ein Festival auf der Wiese in Schleswig-Holstein oder ein Firmenevent im Park in Berlin: Alles läuft wunderbar, bis sich im Westen eine dunkle Wand aufbaut. Ein Gewitter oder eine Sturmböe kann aus einem gelungenen Fest innerhalb von Minuten eine Gefahrenlage machen.
Im Norden kommt das Wetter oft schnell. Fronten ziehen über die Nordsee herein, an der Küste frischt der Wind ohne lange Vorwarnung auf, und Sommergewitter entwickeln sich an heißen Nachmittagen innerhalb kurzer Zeit. Wer hier draußen veranstaltet, braucht einen Plan, der vorher fertig ist und nicht erst im Regen geschrieben wird.
Der Unwetterplan ist Teil des Sicherheitskonzepts. Bei größeren Veranstaltungen wird er von Behörden, Feuerwehr und Polizei ausdrücklich erwartet. Aber auch kleinere Feste profitieren, weil er Verantwortlichen im entscheidenden Moment Sicherheit gibt.
Welche Wetterlagen Sie einplanen sollten
| Wetterlage | Typische Gefahr | Erste Maßnahme |
|---|---|---|
| Gewitter | Blitzschlag, Panik, plötzliche Böen und Starkregen | Besucher frühzeitig in geschützte Bereiche lenken, Bühnenbetrieb einstellen |
| Sturm und Böen | umstürzende Aufbauten, fliegende Teile, herabfallende Äste | Planen und Banner abnehmen, Zelte nach Herstellervorgaben sichern oder räumen |
| Starkregen | rutschige Wege, überflutete Flächen, Stromausfall | Wege kontrollieren, Elektrik prüfen, Bereiche sperren |
| Hagel | Verletzungen am Kopf, Schäden an Technik | Schutz unter festen Dächern, kein Aufenthalt unter Bäumen |
| Hitze | Kreislaufprobleme, Sonnenstich, Dehydrierung | Wasserstellen, Schatten, Sanitätsdienst verstärken |
Hitze wird oft unterschätzt, weil sie nicht plötzlich kommt. Sie gehört trotzdem in den Plan. Hinweise dazu stehen im Beitrag zu Hitze bei Veranstaltungen.
Wer entscheidet, und wann
Der wichtigste Satz im Unwetterplan lautet: Wer entscheidet über Unterbrechung und Räumung? In der Regel ist das der Veranstalter oder die von ihm benannte Veranstaltungsleitung. Bei größeren Veranstaltungen gibt es einen Koordinierungskreis mit Vertretern von Sicherheitsdienst, Sanitätsdienst, Technik, Feuerwehr und Polizei. Behörden können eigene Anordnungen treffen.
Entscheidungen müssen schnell fallen. Deshalb legt der Plan vorher fest, wer erreichbar sein muss, wo der Treffpunkt ist und wer im Zweifel allein entscheiden darf, wenn die anderen nicht sofort verfügbar sind. Eine lange Diskussion bei aufziehendem Gewitter kostet die Minuten, die man für eine geordnete Räumung braucht.
Bewährt haben sich gestufte Schwellen, die mit bestimmten Maßnahmen verbunden sind. Die konkreten Grenzwerte, etwa für Windgeschwindigkeiten, kommen aus den Statikunterlagen der Bühne, den Herstellerangaben der Zelte und den Vorgaben der Behörde. Sie sollten nicht geschätzt werden.
Ein Stufenmodell für den Ernstfall
- Stufe Beobachten: Wetterdienst meldet Gewitter- oder Sturmgefahr für die Region. Eine Person verfolgt Warnungen und Radarbilder, Verantwortliche werden informiert.
- Stufe Vorbereiten: Unwetter nähert sich. Lose Teile sichern, Planen und Banner abnehmen, Durchsagen vorbereiten, Ordnungs- und Sicherheitskräfte auf Positionen, Notausgänge kontrollieren.
- Stufe Unterbrechen: Grenzwerte erreicht oder Gewitter in unmittelbarer Nähe. Programm stoppen, Durchsage, Besucher in Schutzbereiche oder zu Ausgängen lenken.
- Stufe Räumen: Gefahr für Leib und Leben auf der Fläche. Vollständige Räumung über alle Ausgänge, Sanitätsdienst in Bereitschaft, Abstimmung mit Polizei und Nahverkehr.
- Stufe Wiederaufnahme oder Abbruch: Lage beruhigt. Flächen und Aufbauten werden kontrolliert, erst dann wird entschieden, ob es weitergeht.
Jede Stufe braucht vorbereitete Texte für Durchsagen und Bildschirme. Kurze, klare Sätze wirken besser als lange Erklärungen. Sagen Sie den Menschen nicht nur, dass sie gehen sollen, sondern auch, wohin.
Die Rolle des Sicherheitsdienstes
Der Sicherheitsdienst trägt bei Wetterlagen vor allem zur Besucherführung bei. Er kennt die Fläche, steht an Ausgängen und Engstellen und ist für die Menschen sichtbar. Bei einer Unterbrechung lenkt er Besucher ruhig in die vorgesehenen Bereiche, hält Fluchtwege und Rettungszufahrten frei und meldet Gefahrenstellen an die Einsatzleitung.
Damit das funktioniert, müssen die Kräfte den Unwetterplan kennen. Das heißt: Einweisung vor Beginn, Lageplan mit Schutzbereichen, Sammelstellen und Ausgängen, klare Funkkanäle und eine Rangfolge, wer welche Ausgänge übernimmt. Im Briefing sollte auch geübt werden, was zu tun ist, wenn der Strom ausfällt und die Lautsprecher schweigen. Megafone und Leuchtwesten gehören dann zur Grundausstattung.
Gute Sicherheitskräfte achten außerdem auf Menschen, die besondere Hilfe brauchen: Familien mit kleinen Kindern, ältere Gäste, Menschen im Rollstuhl. Für sie sollte der Plan feste Wege und Ansprechpartner vorsehen. Die Grundlagen zur Lenkung großer Gruppen beschreibt der Ratgeber zum Crowd Management.
Schutzbereiche: wohin mit den Menschen?
Die schwierigste Frage ist oft, wohin die Besucher bei einem Gewitter gehen sollen. Offene Zelte schützen vor Regen, aber nicht zuverlässig vor Blitz und Sturm. Bäume sind bei Gewitter gefährlich. Feste Gebäude in der Nähe, Parkhäuser oder geschlossene Hallen sind bessere Schutzbereiche, müssen aber vorher mit den Eigentümern abgesprochen sein.
Wenn kein ausreichender Schutzraum vorhanden ist, bleibt meist nur die frühzeitige Räumung. Dann gilt: lieber zehn Minuten zu früh als eine zu spät. Wer erst handelt, wenn der erste Blitz einschlägt, hat die Kontrolle bereits verloren.
Für Veranstaltungen mit Bühnen, Tribünen und vielen Besuchern können die Vorgaben der Versammlungsstättenverordnung gelten, auch im Freien. Mehr dazu im Ratgeber zur Versammlungsstättenverordnung.
Nach dem Unwetter und vor dem nächsten Mal
Nach einer Unterbrechung ist die Versuchung groß, schnell weiterzumachen. Vorher müssen Bühne, Zelte, Absperrungen, Kabelwege und Stromverteiler kontrolliert werden. Durchnässte Flächen können rutschig sein, Kabel unter Wasser stehen. Erst wenn Technik und Sicherheitsdienst Entwarnung geben, entscheidet die Leitung über die Fortsetzung.
Nach der Veranstaltung lohnt eine kurze Nachbesprechung: Wurden die Warnungen rechtzeitig erkannt? Haben die Durchsagen funktioniert? Wo gab es Stau an Ausgängen? Die Erkenntnisse fließen in den Plan für das nächste Jahr. Die Einsatzberichte des Sicherheitsdienstes mit Uhrzeiten helfen dabei, den Ablauf nachzuvollziehen.
Staffsec stellt Sicherheitskräfte für Open-Air-Veranstaltungen in Schleswig-Holstein, Hamburg und Berlin und plant Besucherführung und Räumungswege gemeinsam mit Veranstaltern. Anfragen nehmen wir über die Kontaktseite entgegen.


