Feste im öffentlichen Raum sind ein Sonderfall
Ein Stadtfest unterscheidet sich grundlegend von einem Konzert in einer Halle. Es gibt meist keinen Zaun, keine Eintrittskarten und keine feste Besucherzahl. Menschen kommen und gehen, wann sie wollen, aus allen Richtungen. Anwohner wohnen mitten im Festgelände, Geschäfte haben geöffnet, Busse müssen umgeleitet werden. Die Sicherheitsplanung muss deshalb mit Offenheit umgehen statt mit Kontrolle.
Hinzu kommt, dass die Rollen oft verteilt sind. Mal veranstaltet die Stadt selbst, mal ein Stadtmarketingverein, mal ein privater Veranstalter, der von der Kommune Flächen nutzt. Wer am Ende welche Pflicht trägt, sollte früh und schriftlich geklärt sein, denn im Ereignisfall fragt jeder zuerst nach der Zuständigkeit.
Zuständigkeiten und Genehmigungen klären
Für ein Fest auf Straßen und Plätzen braucht es in der Regel mehrere Erlaubnisse. Dazu gehören die straßenrechtliche Sondernutzung, verkehrsrechtliche Anordnungen für Sperrungen und Umleitungen sowie gegebenenfalls eine gewerberechtliche Festsetzung, etwa als Volksfest im Sinne von § 60b GewO. Welche Ämter konkret beteiligt sind, regelt jede Kommune etwas anders. In Schleswig-Holstein laufen die Fäden häufig beim Ordnungsamt zusammen, in Hamburg beim Bezirksamt, in Berlin ebenfalls auf Bezirksebene.
Unabhängig von der Genehmigungsform verlangen Behörden bei größeren Festen zunehmend ein schriftliches Sicherheitskonzept. Planen Sie dafür ausreichend Vorlauf ein. Bei einem großen Stadtfest mit mehreren Bühnen sind einige Monate realistisch, weil Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienst und Verkehrsbehörde ihre Stellungnahmen abgeben und Rückfragen beantwortet werden müssen.
- Wer ist Veranstalter im rechtlichen Sinn und trägt die Verkehrssicherungspflicht?
- Wer stellt die Veranstaltungsleitung, die am Festtag entscheidet?
- Welche Behörden sind beteiligt, und wer ist dort Ansprechpartner?
- Welche Auflagen enthalten die Genehmigungen, und wer setzt sie um?
Was ins Sicherheitskonzept für ein Stadtfest gehört
Ein Sicherheitskonzept für ein Fest im öffentlichen Raum beschreibt nicht nur Personal, sondern das ganze Geschehen. Es beginnt mit einer Gefährdungsbeurteilung: Was kann passieren, wie wahrscheinlich ist es, und was wären die Folgen? Daraus leiten sich Maßnahmen und Zuständigkeiten ab.
| Baustein | Inhalt |
|---|---|
| Lage und Gelände | Pläne mit Bühnen, Ständen, Sperrungen, Rettungswegen, Sammelstellen |
| Besucher | Erwartete Zahl je Tageszeit, Zielgruppen, Anreise |
| Organisation | Veranstaltungsleitung, Koordinierungsstelle, Erreichbarkeiten |
| Sicherheitsdienst | Aufgaben, Posten, Streifen, Stärke je Schicht |
| Sanitätsdienst | Standorte, Stärke, Zusammenarbeit mit Rettungsdienst |
| Szenarien | Unwetter, Brand, Gedränge, medizinischer Notfall, Räumung |
| Kommunikation | Funkkonzept, Durchsagen, Information der Besucher |
Bei der Szenarienplanung zählt die Frage: Wer entscheidet was, und wie wird es umgesetzt? Für das Szenario Unwetter heißt das zum Beispiel, wer die Wetterwarnungen verfolgt, ab welcher Warnstufe Zelte und Bühnen geräumt werden und wohin die Besucher geleitet werden. Hilfreich ist dazu unser Ratgeber zum Wetter bei Open-Air-Veranstaltungen.
Zufahrtsschutz: offene Feste brauchen Barrieren
Seit dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz 2016 ist der Schutz vor Überfahrtaten ein fester Teil der Festplanung. Behörden prüfen, an welchen Stellen ein Fahrzeug mit Geschwindigkeit in die Menge fahren könnte, und fordern dort geeignete Sperren. Ob Betonelemente, mobile Fahrzeugsperren oder quer gestellte Fahrzeuge zum Einsatz kommen, hängt von Anfahrtsweg, Fläche und Gefährdungslage ab. Die Polizei berät hierzu in der Regel.
Für den Sicherheitsdienst bedeutet das vor allem, die Durchlässe zu kontrollieren. Rettungsdienst, Feuerwehr und Lieferverkehr müssen hinein können, andere Fahrzeuge nicht. Wer an einem Durchlass steht, braucht eine klare Liste, wer durchfahren darf, zu welchen Zeiten und wie die Sperre im Notfall schnell geöffnet wird.
Personal richtig einsetzen
Auf einem Stadtfest übernehmen Sicherheitskräfte andere Aufgaben als in einer geschlossenen Halle. Statt Einlasskontrolle stehen Streifen, Präsenz an Schwerpunkten und das Freihalten von Wegen im Vordergrund. Bewährt hat sich eine Mischung aus festen Posten und beweglichen Teams.
- Feste Posten an Zufahrten, Bühnen und Durchlässen der Fahrzeugsperren
- Streifenteams, die das Gelände abgehen und Lagen früh erkennen
- Kräfte an Ausschankbereichen in den späten Abendstunden
- Ein Team für Bühnenvorfeld und Künstlerbereich bei größeren Auftritten
- Eine Einsatzleitung des Sicherheitsdienstes in der Koordinierungsstelle
Die Stärke richtet sich nach Besucherzahl, Fläche, Programm und Tageszeit, nicht nach einer Pauschale. Ein Familiennachmittag braucht weniger Kräfte als der Samstagabend mit Partyprogramm. Planen Sie die Schichten deshalb nach Lage. Außerdem braucht jede eingesetzte Kraft die Unterrichtung oder Sachkundeprüfung nach § 34a GewO und muss im Bewacherregister erfasst sein. Ehrenamtliche Helfer von Vereinen können unterstützen, ersetzen aber keinen Sicherheitsdienst bei Aufgaben, die Bewachung sind.
Der Festtag: Ablauf und Abstimmung
Am Festtag selbst entscheidet die Abstimmung über den Erfolg. Vor Beginn findet eine gemeinsame Einweisung aller Beteiligten statt: Veranstaltungsleitung, Sicherheitsdienst, Sanitätsdienst, Feuerwehr und Polizei. Jeder kennt die Ansprechpartner, Funkkanäle und Treffpunkte. Mehr dazu im Ratgeber zur Sicherheitsbesprechung.
Während des Fests laufen Meldungen in der Koordinierungsstelle zusammen. Kleinere Vorfälle wie Streitigkeiten, verlorene Kinder oder zugestellte Rettungswege werden direkt gelöst und dokumentiert. Größere Lagen entscheidet die Veranstaltungsleitung gemeinsam mit den Behörden. Wichtig ist ein klarer Plan für das Festende: Ausschank stoppen, Musik herunterfahren, Besucher geordnet zu Bahn und Bus leiten, erst dann mit dem Abbau beginnen.
Häufige Schwachstellen bei Stadtfesten
Aus der Praxis lassen sich einige Punkte nennen, die immer wieder Nacharbeit erfordern. Fast alle lassen sich mit Vorlauf und einer gemeinsamen Begehung vermeiden.
- Rettungswege werden durch nachträglich aufgestellte Stände oder Sitzgruppen enger
- Anwohnerverkehr ist nicht geregelt, und am Durchlass entstehen Diskussionen
- Toiletten stehen so, dass sich Warteschlangen in Laufwege ziehen
- Funk zwischen den Beteiligten funktioniert nur über Umwege
- Für Kinder, die ihre Eltern verloren haben, gibt es keinen bekannten Treffpunkt
- Der Abbau startet, bevor der Besucherabstrom vorbei ist
Unterstützung durch Staffsec
Staffsec unterstützt Kommunen, Vereine und Veranstalter in Schleswig-Holstein, Hamburg und Berlin beim Veranstaltungsschutz für Feste im öffentlichen Raum. Für eine erste Abstimmung zu Ihrem Fest sprechen Sie uns gern an.


