Ein Konzert hat mehrere Sicherheitszonen
Wer an Konzertsicherheit denkt, hat oft nur die Einlasskontrolle vor Augen. Tatsächlich besteht eine Konzertveranstaltung aus mehreren Bereichen mit sehr unterschiedlichen Anforderungen. Vor der Bühne geht es um Publikumsdruck und Erste Hilfe, auf der Bühne um Künstler und Technik, hinter der Bühne um Zutrittsberechtigungen, Garderoben und Anlieferung. Bei Festivals kommen Campingflächen, Parkplätze und mehrere Bühnen hinzu.
Jeder dieser Bereiche braucht eigene Regeln, eigene Posten und klare Übergänge. Probleme entstehen meist dort, wo zwei Bereiche aneinandergrenzen und niemand genau weiß, wer zuständig ist, etwa am Durchgang vom Publikumsbereich zum Backstage.
Vor der Bühne: Einlass und Publikumsbereich
Der Einlass ist der erste Kontaktpunkt. Hier werden Tickets geprüft, Taschen kontrolliert und gegebenenfalls Bändchen ausgegeben. Bei ausverkauften Konzerten kommen viele Besucher kurz vor Showbeginn. Eine ausreichende Zahl an Kontrollspuren und eine frühzeitige Öffnung der Türen verhindern, dass sich draußen eine Schlange bildet, die beim Anpfiff des Vorprogramms ungeduldig wird. Details zum Ablauf erklärt der Ratgeber Einlasskontrolle, zu den rechtlichen Grenzen der Durchsuchung der Ratgeber Taschenkontrolle.
Im Publikumsbereich selbst sind Sicherheitskräfte vor allem Beobachter. Sie achten auf Gedränge, auf Besucher, denen es schlecht geht, und auf Konflikte. Bei Stehplatzkonzerten ist das Verhalten des Publikums stark vom Genre abhängig. Ein Singer-Songwriter-Abend verläuft anders als ein Metal- oder Rapkonzert mit Moshpits und Crowdsurfing. Diese Einschätzung gehört in die Planung, idealerweise mit Erfahrungswerten aus früheren Tourneestationen.
Der Bühnengraben: Arbeitsplatz mit Verantwortung
Zwischen Bühne und Publikum liegt bei größeren Konzerten der Bühnengraben, abgetrennt durch eine stabile Bühnenabsperrung. Hier arbeitet ein eigenes Team, oft als Front-of-Stage-Team bezeichnet. Seine Aufgaben sind klar umrissen:
- Besucher, die über die Absperrung gehoben werden oder Hilfe brauchen, sicher herausholen
- Crowdsurfer annehmen und seitlich zurück in den Publikumsbereich leiten
- Erschöpften oder verletzten Besuchern Wasser geben und an den Sanitätsdienst übergeben
- Druck auf die vorderen Reihen beobachten und frühzeitig an die Einsatzleitung melden
- Die Bühne gegen unbefugtes Betreten sichern
Für diese Arbeit braucht es körperlich belastbare und erfahrene Kräfte, die genau wissen, wie man Menschen sicher über eine Absperrung hebt, ohne sich oder andere zu verletzen. Bei großen Open-Air-Konzerten werden zusätzlich Wellenbrecher im Publikumsbereich aufgebaut, die den Druck nach vorn auf mehrere Abschnitte verteilen. Ein festes Zeichen, mit dem das Team die Unterbrechung der Show anfordern kann, gehört in jede Absprache mit der Produktion.
Hinter der Bühne: Backstage und Künstlerbereich
Der Backstage-Bereich ist kein Ort für Besucher, aber ein Ort für viele Menschen: Künstler, Crew, Techniker, Caterer, Presse, Veranstalter und deren Gäste. Damit hier nicht jeder hineingeht, braucht es ein Akkreditierungssystem mit unterschiedlichen Ausweisen oder Bändchen für unterschiedliche Bereiche. Ein Pressefotograf darf in den Bühnengraben, aber nicht in die Künstlergarderobe. Ein Caterer braucht Zugang zur Küche, nicht zur Bühne.
Sicherheitskräfte im Backstage prüfen Berechtigungen konsequent und freundlich, auch bei bekannten Gesichtern. Sie sichern Garderoben, Produktionsbüros und Equipment, begleiten bei Bedarf Künstler zwischen Garderobe und Bühne und behalten die Anlieferung im Blick. Bei bekannten Künstlern kann eine persönliche Begleitung sinnvoll sein, mehr dazu im Ratgeber VIP- und Künstlerbetreuung.
| Bereich | Wer hat Zugang | Typische Kontrolle |
|---|---|---|
| Bühne | Künstler, Stagecrew, Technik | Posten an den Bühnenaufgängen |
| Bühnengraben | Front-of-Stage-Team, Sanitäter, akkreditierte Fotografen | Kontrolle am seitlichen Zugang |
| Garderoben | Künstler und deren Team | Posten oder verschlossene Türen mit Schlüsselregelung |
| Produktionsbüro | Veranstalter, Produktionsleitung | Zutritt nur mit Ausweis |
| Anlieferung | Logistik, Crew, Caterer | Fahrzeugkontrolle, Zeitfenster |
Festivals: Camping, Parkplätze und lange Tage
Ein Festival verlängert alle Aufgaben über mehrere Tage und erweitert sie um Bereiche, in denen Besucher leben. Auf Campingflächen geht es um Brandschutz bei Grills und Gaskochern, Diebstahl aus Zelten, Konflikte zwischen Nachbarn und um Hilfe, wenn jemand nachts nicht mehr allein zurechtkommt. Streifen über das Camping sind deshalb auch in den Nachtstunden wichtig.
Auf Parkplätzen geht es um geordnetes Einweisen bei der Anreise, freie Zufahrten für Rettungsfahrzeuge und den Schutz geparkter Fahrzeuge. Bei Festivals in Schleswig-Holstein und im Berliner Umland liegen Gelände häufig im ländlichen Raum, wo Zufahrtsstraßen schmal sind und An- und Abreise besonders sorgfältig mit Polizei und Verkehrsbehörde geplant werden müssen. Auch das Wetter spielt eine große Rolle, wie der Ratgeber Open Air und Wetter zeigt.
Zusammenarbeit von Produktion und Sicherheitsdienst
Bei Konzerten gibt es oft zwei Welten: die Produktion des Künstlers, die mit eigenem Tourmanagement und eigener Crew anreist, und den örtlichen Veranstalter mit seinen Dienstleistern. Gute Zusammenarbeit entsteht durch frühen Austausch. Technical Rider und Security Rider des Künstlers enthalten häufig konkrete Anforderungen an Absperrungen, Zahl der Kräfte im Graben oder Zugang zur Bühne. Diese Vorgaben sollten dem Sicherheitsdienst rechtzeitig vorliegen.
Am Veranstaltungstag hilft eine kurze gemeinsame Besprechung vor Einlass: Wer ist Ansprechpartner der Produktion, wann beginnt welcher Act, wie wird eine Showunterbrechung ausgelöst, und wo stehen Sanitäter? Mehr dazu im Ratgeber zur Sicherheitsbesprechung. Rechtlich gilt in Versammlungsstätten außerdem die jeweilige Versammlungsstättenverordnung des Landes, die Betreiberpflichten und gegebenenfalls ein Sicherheitskonzept mit Ordnungsdienst vorsieht.
Nach der Zugabe: Abstrom und Abbau
Wenn das Licht angeht, wollen alle gleichzeitig nach Hause. Geöffnete Ausgänge, klare Beleuchtung der Wege und Kräfte an Treppen und Haltestellen sorgen dafür, dass der Abstrom ruhig verläuft. Gleichzeitig beginnt der Abbau, oft unter Zeitdruck. Ladetore und Fahrwege für Lkw sollten erst dann genutzt werden, wenn die Besucher die betroffenen Bereiche verlassen haben. Während des Abbaus bleibt der Backstage gesichert, weil jetzt viel wertvolle Technik offen herumsteht.
Staffsec stellt Teams für Einlass, Bühnengraben und Backstage bei Konzerten in Schleswig-Holstein, Hamburg und Berlin. Mehr zum Leistungsumfang finden Sie unter Veranstaltungsschutz, für Ihre Anfrage nutzen Sie gern den Kontakt.


