Ein Ort mit Hausrecht, aber öffentlichem Charakter
Ein Einkaufszentrum fühlt sich für Besucher an wie ein Stück Innenstadt mit Dach. Rechtlich ist es aber Privatgelände: Der Eigentümer oder das von ihm beauftragte Center-Management übt das Hausrecht aus, gestützt auf Eigentum und Besitz (§§ 859, 903 und 1004 BGB). Gleichzeitig herrscht tatsächlich öffentlicher Verkehr, denn jeder darf zu den Öffnungszeiten hinein, ohne Ticket und ohne Kontrolle.
Aus diesem Spannungsfeld ergibt sich die Aufgabe des Sicherheitsdienstes. Er soll ansprechbar und hilfsbereit wirken, damit Kundinnen und Kunden sich wohlfühlen. Er soll aber auch dafür sorgen, dass die Hausordnung gilt, Notausgänge frei bleiben, Konflikte früh beruhigt werden und Mieter Unterstützung bekommen, wenn es brennt, im wörtlichen wie im übertragenen Sinn.
Wer ein Center in Hamburg, Kiel, Lübeck oder einem Berliner Bezirkszentrum betreibt, kennt die Mischung: Familien am Vormittag, Schülergruppen am Nachmittag, Berufstätige nach Feierabend und an manchen Tagen Gruppen, die den Ort eher als Treffpunkt nutzen. Ein gutes Sicherheitskonzept bildet diese Tagesverläufe ab.
Welche Aufgaben ein Center-Sicherheitsdienst übernimmt
Das Aufgabenpaket ist breiter als in einem Bürogebäude. Typisch ist eine Kombination aus Präsenzdienst, technischer Überwachung und Serviceaufgaben. Wie die Gewichtung aussieht, legen Sie im Leistungsverzeichnis fest.
- Streifengänge durch Malls, Parkebenen, Treppenhäuser, Anlieferung und Nebenflure, mit wechselnden Zeiten und Routen
- Leitstand oder Sicherheitszentrale mit Blick auf Videoanlage, Brandmeldeanlage, Störmeldungen der Haustechnik und Funkverkehr
- Öffnen und Schließen des Centers, Kontrolle der Fluchtwege und Schließrunde nach Ladenschluss
- Ansprechpartner für Besucher: Wegauskunft, verlorene Kinder, Fundsachen, Erste Hilfe bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes
- Unterstützung der Mieter bei Ladendiebstahl, Streit mit Kunden oder auffälligen Personen
- Durchsetzen der Hausordnung: Rauchverbot, Fahrräder und Roller, Betteln, Lärm, Blockieren von Gängen
- Begleitung von Aktionsflächen, Promotionständen und Center-Events
- Nachtbewachung mit Kontrollgängen und Alarmverfolgung außerhalb der Öffnungszeiten
Nicht jedes Center braucht alles davon. Ein kleines Fachmarktzentrum am Stadtrand kommt oft mit einem mobilen Revierdienst und einer Aufschaltung der Alarmanlage aus. Ein innerstädtisches Center mit mehreren Etagen und Parkhaus braucht dagegen in der Regel ständige Präsenz während der Öffnungszeiten.
Rechte und Grenzen der Einsatzkräfte
Sicherheitskräfte im Center haben keine hoheitlichen Befugnisse. Sie handeln mit dem übertragenen Hausrecht und den Rechten, die jedem Menschen zustehen. Dazu gehören das vorläufige Festnahmerecht bei frischer Tat nach § 127 Abs. 1 StPO, die Notwehr und Nothilfe nach § 32 StGB sowie Besitzwehr und Besitzkehr nach §§ 859 und 860 BGB.
Für die Praxis heißt das: Ein Hausverbot aussprechen und durchsetzen darf der Sicherheitsdienst, wenn die Dienstanweisung ihn dazu ermächtigt. Eine Ausweiskontrolle erzwingen, Taschen gegen den Willen durchsuchen oder Personen festhalten, nur weil sie verdächtig wirken, darf er nicht. Wer bei einem Ladendiebstahl auf frischer Tat ertappt wird, darf bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten werden, und zwar verhältnismäßig.
Wichtig für Sie als Auftraggeber: Kontrollgänge in Bereichen mit tatsächlich öffentlichem Verkehr und der Schutz vor Ladendieben gehören zu den Tätigkeiten, für die § 34a Abs. 1a GewO die Sachkundeprüfung verlangt. Die einfache Unterrichtung reicht dafür nicht. Lassen Sie sich die Qualifikation der eingesetzten Kräfte zeigen, mehr dazu im Ratgeber zur Qualifikation nach § 34a GewO.
Service zuerst: Haltung und Auftreten
Die meisten Einsätze in einem Center haben nichts mit Kriminalität zu tun. Ein Kind hat die Eltern verloren, ein älterer Herr ist gestürzt, im Parkhaus springt ein Auto nicht an, eine Besucherin sucht die Apotheke. Wie die Einsatzkräfte in diesen Momenten auftreten, prägt das Bild des Centers stärker als jeder Werbeprospekt.
Deshalb lohnt es sich, bei der Auswahl auf Kommunikationsstärke, Sprachkenntnisse und Gelassenheit zu achten. Eine ruhige Ansprache beendet viele Konflikte, bevor sie entstehen. Eine Gruppe Jugendlicher, die auf der Rolltreppe sitzt, reagiert auf ein freundliches, bestimmtes Wort meist besser als auf eine Drohung mit Hausverbot.
Hilfreich ist ein einheitliches, gut erkennbares Erscheinungsbild. Manche Center wünschen eine zurückhaltende Dienstkleidung in Center-Farben, andere bewusst die klassische Uniform. Beides ist möglich, solange die Kräfte als Sicherheitsdienst erkennbar bleiben und den Dienstausweis tragen.
Typische Lagen und wie man sie vorbereitet
| Lage | Was vorher geklärt sein sollte | Rolle des Sicherheitsdienstes |
|---|---|---|
| Ladendiebstahl im Mietladen | Absprache mit den Mietern, wer festhält, wer die Polizei ruft, wo der Raum für die Personalienaufnahme ist | Unterstützen auf Anforderung, Lage beruhigen, Polizei verständigen, Bericht |
| Vermisstes Kind | fester Ablauf mit Durchsage, Ausgangsbesetzung, Treffpunkt | Ausgänge beobachten, Mall absuchen, Eltern betreuen |
| Medizinischer Notfall | Standorte von Defibrillator und Erste-Hilfe-Material, Anfahrt Rettungsdienst | Erste Hilfe, Einweisen der Rettungskräfte, Umfeld freihalten |
| Feueralarm | Räumungskonzept, Brandschutzhelfer der Mieter, Sammelstellen | Feuerwehr einweisen, Räumung unterstützen, Laufkarten bereithalten |
| Gruppen mit Störpotenzial | klare Hausordnung, Kriterien für Hausverbote, Kontakt zur Polizei | früh ansprechen, dokumentieren, Hausverbot aussprechen |
| Technische Störung | Kontaktliste Haustechnik und Notdienste | Melden, absichern, Zugang für Techniker regeln |
Diese Abläufe gehören in die Dienstanweisung. Sie ist das wichtigste Dokument zwischen Center-Management und Sicherheitsdienst, weil sie festlegt, wer was entscheidet. Ohne sie handeln die Kräfte nach eigenem Ermessen, und das führt in Grenzfällen zu Ärger mit Mietern oder Besuchern.
Mieter einbinden, statt nebeneinander her zu arbeiten
Ein Center hat dutzende Mieter mit eigenen Interessen. Der Elektronikmarkt hat oft einen eigenen Ladendetektiv, die Bäckerei will, dass morgens früh die Anlieferung offen ist, die Gastronomie hat abends länger geöffnet. Sicherheit funktioniert im Center nur, wenn diese Interessen in einem gemeinsamen Ablauf zusammenlaufen.
Bewährt haben sich ein fester Kommunikationsweg, etwa ein Mieterfunk oder eine Notrufnummer zur Sicherheitszentrale, regelmäßige kurze Abstimmungen mit dem Center-Management und eine Übersicht, welche Mieter eigene Sicherheitskräfte einsetzen. So vermeiden Sie, dass zwei Dienste bei derselben Person unterschiedlich handeln.
Auch die Schließrunde profitiert davon. Wenn feststeht, welcher Mieter länger öffnen darf und welche Nebeneingänge dann offen bleiben, kann der Sicherheitsdienst die Runde planen, ohne jedes Mal nachfragen zu müssen. Hinweise zur Organisation von Schlüsseln und Zugängen finden Sie im Ratgeber zur Schlüsselverwaltung.
Technik, Daten und Dokumentation
Videoanlagen sind in Einkaufszentren üblich. Für den Betrieb gelten die Regeln der DSGVO und des BDSG: klarer Zweck, Hinweisschilder, begrenzte Speicherdauer, eingeschränkter Zugriff. Wer am Monitor sitzt, muss wissen, was er darf und was nicht. Einzelheiten erläutert der Ratgeber zur Videoüberwachung nach DSGVO.
Ebenso wichtig ist die Dokumentation der Einsätze. Ein digitaler Bericht mit Uhrzeit, Ort und Fotos hilft bei der Klärung von Beschwerden, bei Versicherungsfällen und bei Gesprächen mit Mietern. Er zeigt auch über Monate, wo sich Vorfälle häufen. Wenn etwa im Parkhaus an bestimmten Abenden immer wieder Autos beschädigt werden, lassen sich Streifen gezielt anpassen. Dazu passt der Ratgeber zu Parkhaus und Tiefgarage.
Häufige Fehler bei der Beauftragung
- Nur auf die Zahl der Stunden schauen und die Aufgaben nicht konkret beschreiben
- Kräfte mit bloßer Unterrichtung für Streifen in der Mall einplanen, obwohl die Sachkundeprüfung nötig ist
- Keine Regelung, wie Hausverbote dokumentiert und an alle Schichten weitergegeben werden
- Mieter nicht über Ansprechpartner und Notrufweg informieren
- Sonderlagen wie Adventssamstage, Ferienbeginn oder Center-Events mit der Grundbesetzung abdecken wollen
- Keine regelmäßige Auswertung der Berichte, sodass sich Schwachstellen über Jahre halten
Planen Sie außerdem Spitzen bewusst ein. In der Vorweihnachtszeit, bei verkaufsoffenen Sonntagen oder bei Aktionen mit Prominenten steigt die Besucherzahl deutlich. Dann braucht es zusätzliche Kräfte an Eingängen, in Parkebenen und auf Aktionsflächen. Für Center-Events lohnt ein Blick in den Ratgeber zur Planung von Veranstaltungsschutz.
Staffsec betreut Objekte in Schleswig-Holstein, Hamburg und Berlin mit Kräften, die nach § 34a GewO qualifiziert sind, und dokumentiert Einsätze digital mit Zeitstempel und Fotos. Wenn Sie Ihr Center neu aufstellen möchten, sprechen Sie uns über die Kontaktseite an.


